3 Jahre EU-Erweiterung: Zustimmung wächst, Erweiterung bringt 655 Euro pro Jahr und Erwerbstätigem

WKÖ-General Mitterlehner/IV-General Beyrer: "Mit sektoraler Öffnung der Übergangsfristen Mangel an Fachkräften beseitigen" - Inländisches Arbeitskräfteangebot wird genutzt

Wien (PWK340) - "Die Zustimmung zur EU-Erweiterung zeigt drei
Jahre nach dem Startschuss eine positive und damit erfreuliche Tendenz", zeigten sich Reinhold Mitterlehner, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich, und Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, bei der Präsentation aktueller Erhebungsergebnisse des Bevölkerungsbarometers erfreut: "Die Bevölkerung spürt: Die EU-Erweiterung birgt in allererster Linie Chancen", so Mitterlehner: "Österreich gehört zu den Hauptprofiteuren der Erweiterung." Und: "Nicht nur Unternehmen haben etwas von der Erweiterung, sondern alle in diesem Land", unterstrich Beyrer. In Euro beziffert betrage der positive Effekt der EU-Erweiterung 655 Euro pro Erwerbstätigem und Jahr, zitierte Beyrer eine aktuelle Berechnung.

Demzufolge hat sich die retrospektive Einschätzung der Erweiterung abermals verbessert: 55 Prozent der Befragten qualifizierten die Entscheidung zur Erweiterung als richtig, 42 Prozent als falsch; die Differenz zwischen jenen, die die Erweiterung als positiv sehen, und jenen, die sie negativ bewerten, beträgt heuer + 13 Prozentpunkte (2006 waren es noch -32 Prozentpunkte; 2005: +2; 2004: -11). Personen mit höherem Bildungsstand beurteilen die Erweiterung positiver als Menschen, die sich vielleicht weniger mit dem Thema auseinandersetzen. Im Bezug auf die Übergangsregelungen zur Arbeitskräftefreizügigkeit, die 2009 auslaufen, sprachen sich insgesamt 60 Prozent der Befragten für einen freien Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt aus ("Übergangsbestimmungen ganz aufheben": 21 Prozent; "Bestimmungen lockern": 39 Prozent).

"Eine positive Konjunkturentwicklung und Wachstum im Inland, exzellente Exporterfolge und steigende Direktinvestitionen österreichischer Unternehmen (1999: 5,5 Milliarden Euro; 2006: 27 Milliarden Euro) bereiten den Weg für eine positive Tendenz in Sachen EU-Erweiterung", führte Mitterlehner aus. Ganze 76 Prozent der Befragten sehen eine sehr gute Positionierung österreichischer Unternehmen in den osteuropäischen EU-Mitgliedsländern. Heimische Unternehmen sind etwa in Slowenien, Bulgarien, Kroatien oder Bosnien-Herzegowina Marktführer. Mitterlehner zeigte sich zuversichtlich, dass es gelingen werde, die Position Österreichs als "First Mover" auch in Zeiten, wo der Wettbewerb härter wird, beizubehalten.

Allerdings gelte es, "hausgemachte Wachstumsbremsen schnellstmöglich zu beseitigen", unterstrich IV-Generalsekretär Beyrer. Generalsekretär Mitterlehner sprach von einer verstärkten Initiative zur Schaffung adäquater Rahmenbedingungen. Eine Wachstumsbremse erster Ordnung sei der Mangel an qualifizierten Fachkräften, "ein Nadelöhr, das wir uns selber schaffen: Österreich braucht die besten Köpfe und Hände", so Beyrer. Durch Abschottung die Interessen von Arbeitnehmern in Österreich schützen zu wollen, sei der falsche Weg, so GS Mitterlehner und plädierte für den Weg der sektoralen Öffnung bei den Arbeitsmarkt-Übergangsfristen gegenüber den 2004 beigetretenen EU-Mitgliedsstaaten. Die Öffnung des heimischen Arbeitsmarktes komme 2009, eine wesentliche Verschlechterung der Wirtschaftslage, die eine diesbezügliche Entscheidung der EU-Kommission hinausschieben könnte, könne sich wohl niemand wünschen.

Natürlich versuche die Wirtschaft, möglichst viele der benötigten Fachkräfte selber auszubilden und kein inländisches Potenzial brach liegen zu lassen. So stieg die Zahl der Lehrlinge von April 2006 auf April 2007 um fast 4.000. Als Beispiele für die verstärkten Bemühungen der Industrie nannte Beyrer die Salzburger Lehrlingsinitiative, die zu 25 Prozent mehr abgeschlossenen Lehrverträgen geführt habe, sowie die Schaffung eines neuen Berufes, dem des Industrietechnikers. Das reicht allerdings nicht zur Deckung des Bedarfes. Aus der Industrie berichtete Beyrer, "dass top-qualifizierte Arbeitskräfte an Österreich vorbeiwandern." Eine erste Welle und die Möglichkeit, diese für Österreich zu gewinnen, sei verschlafen worden. Nun gebe es eine zweite Welle und damit eine zweite Chance: Daher müsse eine Öffnung der Zugangsmöglichkeiten auf den österreichischen Arbeitsmarkt so rasch als möglich erfolgen, um jene, die derzeit nach Großbritannien oder Irland gehen, nach Österreich zu bringen. In diesem Zusammenhang nannte Beyrer den "Willkommens-Effekt", den es in Österreich verstärkt an den Tag zu legen gelte.

Sowohl Beyrer wie auch Mitterlehner sprachen sich für einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Fachkräften aus dem Ausland - dazu gehören auch die mittels einer Quote limitierten so genannten "Schlüsselkräfte" - und für eine Bekenntnis zur qualifizierten Zuwanderung aus. Wenn etwa im September die Quote für Schlüsselarbeitskräfte in einem Bereich bereits ausgeschöpft ist, auf den kommenden Jahresbeginn warten zu müssen, sei wirtschaftlich untragbar. Sehr ernst nimmt die Wirtschaft auch den Bereich " Menschen mit Migrationshintergrund", diesbezüglich gelte es die Chancen, die es gibt (nicht-deutsche Muttersprache, Kenntnisse der jeweils anderen Kultur) zu nutzen. Wie überhaupt es "die Chancen, die wir durch die EU-Erweiterung haben, zu ergreifen gilt", so Beyrers und Mitterlehners Appell. "Bei manchen Dingen in diesem Zusammenhang handelt es sich jedoch weniger um wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische, sondern vielmehr gesellschaftspolitische Herausforderungen", forderte Mitterlehner abschließend die Mitwirkung der Gesellschaft und damit jedes einzelnen ein. (JR)

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