"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Flexi-Durchbruch" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 4. Mai 2007

Innsbruck (OTS) - Die früher legendäre und in jüngerer Vergangenheit dann immer wieder totgesagte österreichische Sozialpartnerschaft ist offenbar doch noch quicklebendig. Dem Bawag-Milliardengau des ÖGB zum Trotz gibt es in Österreich zwar harte, aber konstruktive Lohnrunden. Ganz im Gegensatz zu fast schon unverschämten Lohnforderungen und einem drohenden Streikchaos etwa in Deutschland.

Und jetzt haben die Sozialpartner einen Dauerbrenner gelöst, bei dem die Fronten seit Jahren ähnlich starr zu sein schienen wie die Causa selbst: die Arbeitszeiten. Bei den Steuern und anderen Rahmenbedingungen hatte Österreich etwa den großen Nachbarn Deutschland längst abgehängt, das Thema Arbeitszeiten sorgte bei heimischen Firmen aber immer für viel Ärger. Dass hier Österreich gegenüber dem Ausland nachhinkt, auch gegenüber Deutschland, hatten zuletzt nicht nur Plansee-Chef Michael Schwarzkopf oder Antennenproduzent Anton Kathrein (beide mit Standorten in Deutschland) kritisiert.

Arbeiten, wenn auch Arbeit durch entsprechende Aufträge da ist, verlangten die Firmenchefs mit Nachdruck. Modelle wie das Arbeitszeitkonto bei BMW gab es ja bereits zuhauf. Auf entsprechende Absicherungen, gerade auch für die stark steigende Zahl der Teilzeitkräfte, pochte indes der ÖGB. Verständlich: Immerhin werden in Österreich pro Jahr unglaubliche 350 Millionen Überstunden geleistet.

Der jetzt vereinbarte Kompromiss ist sicher ein Fortschritt, wenn auch gerade in der stark saisonabhängigen Industrie noch nicht alle zufrieden sein dürften. Es kann aber flexibler gearbeitet werden, ohne ständig am Rande der Legalität zu agieren. Und dass von Flexi-Arbeit auch die Beschäftigten etwas haben sollten, versteht sich ebenfalls von selbst. Durch sicherere Jobs, mehr Geld und vielleicht auch attraktivere Freizeit.

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