WirtschaftsBlatt Kommentar vom 4. 5. 2007: Arbeitszeit:Wir müssen noch viel flexibler werden - von Peter Muzik

Dieser Kompromiss kann nur ein erster Schritt sein

Wien (OTS) - Die Sozialpartner haben es - nach einer gemütlichen Anlaufzeit von immerhin sieben Jahren - endlich geschafft:
WKÖ-Präsident Christoph Leitl und ÖGB-Boss Rudolf Hundstorfer einigten sich auf flexiblere Arbeitszeiten. In dem gemeinsamen Paket, das sie gestern stolz vorlegten, steht, dass die Kollektivvertragsverhandler künftig eine Maximalarbeitszeit von bis zu zwölf Stunden täglich und 60 Stunden pro Woche vereinbaren können. Per Kollektivvertrag kann auch die Normalarbeitszeit, auch bei Gleitzeitvereinbarungen, auf bis zu zehn Stunden täglich angehoben werden. Bei einer Vier-Tage-Woche dürfen zehn Stunden betrieblich oder individuell vereinbart werden.

Der gemeinsame Entwurf, der bereits an das Wirtschafts- und Arbeitsministerium übermittelt wurde und in der kommenden Woche in die Begutachtung gehen wird, sieht obendrein gesetzliche Mehrarbeitszuschläge für Teilzeitbeschäftigte vor. Unter bestimmten Voraussetzungen haben diese einen gesetzlichen Anspruch auf einen Zuschlag von 25 Prozent. Hundstorfer sieht darin "einen Meilenstein vor allem für Frauen".

Wie zu erwarten, wurden die Sozialpartner für den Verhandlungskompromiss mit verbalen Lobeshymnen überschüttet: In seltener Einigkeit äusserten sich sogar die sonst recht uneinigen Minister Martin Bartenstein und Erwin Buchinger zustimmend. Doch während der ÖGB-Chef erleichtert von einer "Win-win-Situation" sprach und Christoph Leitl in gewohnter Manier zufrieden strahlte, herrschte nicht allerorts eitel Wonne. So etwa reagierte IV-Präsident Veit Sorger durchaus zurückhaltend: Die auf der Basis des Regierungsprogramms erfolgte Einigung der Sozialpartner sei für ihn lediglich "ein wichtiger erster Schritt, dem weitere folgen müssen". Nur wenn der Durchrechnungszeitraum von nunmehr 24 Wochen auf zwei Jahre verlängert werde - was Sorger schon immer gefordert hat -, könne man von einer echten Flexibilisierung der Arbeitszeit sprechen, sagte der Industriellen-Boss.

Ausserdem pocht er namens der Industrie - völlig zu Recht - darauf, dass auf betrieblicher Ebene mehr Freiraum zugelassen werde. Anders formuliert: Statt alles penibel im Kollektivvertrag festzuschreiben, sollte man Arbeitgebern und Arbeitnehmern künftig die Möglichkeit einräumen, gemäss den betrieblichen Notwendigkeiten individuelle Regelungen zu treffen. Angesichts der rot-weiss-roten Sozialpartnerschaft ist es allerdings noch ein weiter Weg, bis die Zeit für derartige Revolutionen reif sein wird.

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