"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Ausgeschlafen in die Frühpension" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 04.05.2007

Wien (OTS) - Die Zahl der Arbeitslosen sinkt, die Regierung jubelt
- aber zu Unrecht. Die boomende Wirtschaft hat für zusätzliche Arbeitsplätze gesorgt, nicht der Arbeits- und schon gar nicht der Sozialminister.
Noch viel absurder als das Eigenlob der Regierung sind Aktionen wie die der Katholischen Jugend (KJ): Die beglücken derzeit den Bundeskanzler und andere Politiker mit Handys, über die arbeitslose Jugendliche ihnen ein SMS mit Forderungen schicken können. Ausdrücklich angesprochen sind dabei "Jugendliche, die lieber ausschlafen anstatt sich in einer Endlosschleife vor dem AMS einzureihen".
Herzlichen Glückwunsch zur Unterstützung dieser Mentalität! Wir müssen allerdings annehmen, dass genau diese Jugendlichen auch lieber ausschlafen statt sich weiter zu bilden oder ernsthaft um einen Job zu bemühen. Da ist es dann kein Wunder, dass die Wirtschaft einen Mangel an gut ausgebildeten oder wenigstens ausbildungswilligen Facharbeitern konstatiert.
"Die Bereitschaft eines Fräsers, aus Nürnberg nach Niederösterreich zu ziehen, ist größer als die eines Burgenländers, in ein anderes Bundesland zu übersiedeln", hat Wolfgang Welser, Industrie-Obmann in der Wirtschaftskammer, kürzlich beklagt. Daran würde auch die vom Sozialminister zur Diskussion gestellte Mobilitätsprämie nichts ändern.
Hätte sich die Wirtschaft hingegen beizeiten um die Ausbildung von Fachkräften gekümmert, müsste sie jetzt nicht so laut nach Ausländern rufen. Das Arbeitsmarktservice (AMS) kann da relativ wenig bewegen. Es bemüht sich redlich um die Schulung und Vermittlung von Arbeitslosen, aber es stößt vielfach an Grenzen. Diese Woche erst hat die BankAustria Creditanstalt neuerlich die Absicht zum Abbau hunderter Mitarbeiter(innen) bekräftigt. Die bekommen zuerst eine Abfertigung, dann müssen sie sich arbeitslos melden, ehe sie Übergangszahlungen der Bank und schlussendlich die Frühpension bekommen.
Die Aktion gilt für Männer ab 53 und für Frauen ab 48 Jahren - wenn 47- oder 53-Jährige sie in Anspruch nehmen wollen, sind sie herzlich willkommen. Das AMS zwingt diese Pseudo-Arbeitslosen in Schulungen, verlangt von ihnen regelmäßig Bewerbungen, kontrolliert das auch und vergeudet damit Geld und Zeit. Denn wirklich arbeitswillig sind diese Menschen natürlich nicht.
Ähnliches gilt für Beamte, die mit Geld und sanftem Druck dazu gebracht werden, möglichst frühzeitig in Pension zu gehen.
Mit vordergründigem Jubel und sinnlosen SMS-Aktionen wird der österreichische Arbeitsmarkt nichts ins Lot gebracht werden. Solange auf der einen Seite von der Wirtschaft zuwenig in Ausbildung investiert und auf der anderen Seite seit Jahren von Ministerien, Wirtschaftskammer, Banken, Versicherungen und Industrie betriebene Frühpensionierungsaktionen akzeptiert werden, laufen viele gut gemeinte Bemühungen des AMS ins Leere.

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