Adecco Institut: Private Profis sollen Schüler für den Job coachen

- Hinweis: Die vollständige Studie kann kostenlos im pdf-Format unter http://www.presseportal.ch/de/story.htx?firmaid=100007972 heruntergeladen werden -

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Wolfgang Clement: Konjunkturaufschwung zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit nutzen - Besserer Übergang von Schule zu Beruf verhilft der Wirtschaft zu höher qualifizierten Einsteigern

Zürich, Schweiz (ots) - Der Vorsitzende des Adecco Instituts, der frühere deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement, hat die private Wirtschaft und die öffentliche Hand aufgerufen, den Konjunkturaufschwung zu verstärkten Anstrengungen gegen die immer noch zu hohe Jugendarbeitslosigkeit zu nutzen. "Wir müssen gemeinsam dort ansetzen, wo die Ursache des Übels liegt - beim Fehlen begehbarer Übergänge von der Schule in den Beruf", betonte Clement. Er sei überzeugt, "dass eine der wichtigsten Aufgaben zur Verbesserung der Integrationschancen darin besteht, jungen Menschen diese verlässliche Brücke zwischen Schule und Arbeit zu bauen. Deshalb schlagen wir professionelle Übergangsmanager vor - gemeinsam getragen von Privatwirtschaft und öffentlicher Hand."

Clement kommentierte damit eine von dem Adecco Institut vorgestellte Studie, die das Risiko, arbeitslos zu werden, für Europas Jugend (15 - 24 Jahre) als doppelt so hoch beziffert wie für alle anderen Altersgruppen. Diese umfangreiche Strukturanalyse auf der Basis der offiziellen Zahlen aus dem Jahre 2006 offenbart grosse Unterschiede innerhalb der EU. In Spanien und Grossbritannien wirken sich Schwankungen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) annähnernd gleichmässig auf die Beschäftigungsmöglichkeiten aller Erwerbstätigen aus. In Deutschland und Frankreich schlägt die wirtschaftliche Entwicklung sehr viel stärker auf die Altersgruppe von 15 bis 24 durch als auf die Erwerbsbevölkerung über 24 Jahre.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie sind:

- Veränderungen beim Wachstum des BIP haben im EU-Durchschnitt eine doppelt so hohe Auswirkung auf die Beschäftigungsquote Jugendlicher (15 - 24 Jahre) wie auf die allgemeine Beschäftigungsquote, sowohl im Positiven als auch im Negativen.

- Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa (im Alter von 15 bis 24) ist mit rund 18% doppelt so hoch wie die allgemeine Arbeitslosenquote.

- Arbeitslosigkeit direkt nach Beendigung der Schule oder Ausbildung hat dauerhaft negative Auswirkungen auf die Beschäftigungsfähigkeit eines Menschen.

- Es gibt keinen negativen Zusammenhang zwischen der Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten älterer Arbeitnehmer und den Beschäftigungschancen junger Berufseinsteiger.

- Es gibt in Europa 3 erkennbare Systeme des Übergangs von der schulischen Ausbildung ins Berufsleben, mit stark unterschiedlichem Erfolg.

- Dänemark könnte dabei als Vorbild für Europa gelten, mit einer niedrigen Jugendarbeitslosigkeit, einer geringen Arbeitslosigkeit bei älteren Bevölkerungsgruppen und einer ausgewogenen Geschlechterverteilung unter den Beschäftigten.

- Probleme von Jugendlichen in der EU beim Übergang in das Berufsleben treffen mit der Alterung der EU-Erwerbsbevölkerung zusammen und verschärfen so den Mangel an Fachkräften.

Die vom Adecco Institut vorgestellte Studie lässt einen klaren Zusammenhang zwischen BIP-Trends und der Jugendarbeitslosenquote erkennen: kommt es zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, so wird zunächst die Anzahl der Arbeitsplätze für Berufsanfänger eingefroren oder gar beschnitten, und umgekehrt. Durchschnittlich werden für jeden Anstieg oder Rückgang des BIP von 1% die Beschäftigungsperspektiven junger Menschen doppelt so stark beeinflusst wie die der Erwerbsbevölkerung insgesamt, was die Jugend doppelt so anfällig für Arbeitslosigkeit macht. Von Land zu Land gibt bei diesen Korrelationen starke Unterschiede, was darauf hinweist, dass nicht nur Marktkräfte, sondern auch Bildungssysteme und Politik Auswirkungen auf den Übergang der Jugend in das Berufsleben haben.

Die Studie konstatiert zudem eine wachsende Lücke zwischen den Qualifikationen, die die Schulabgänger mitbringen und denen, die von Unternehmen nachgefragt werden. Mit dem demographischen Wandel und dem Ausscheiden der älteren Arbeitskräfte steigt die Nachfrage nach jungen, qualifizierten Mitarbeitern. Da es jedoch nicht ausreichend qualifizierte junge Menschen gibt, die von den Schulen so vorbereitet wurden, dass sie diese Lücke schliessen könnten, steigt die Jugendarbeitslosigkeit trotz wachsenden Bedarfs an qualifizierten Arbeitskräften.

Schlussfolgerungen und Empfehlungen an die Politik:

- Durch eine ausschliessliche Erfolgsmessung der Arbeits- und Wirtschaftspolitik anhand der allgemeinen Beschäftigungsquote wird nicht sichergestellt, dass Europa hinlänglich mit den Qualifikationen ausgestattet ist, die für die wirtschaftliche Zukunft einer Dienstleistungs-, Informations- und Wissensgesellschaft notwendig sind.

- Unabhängig von der jeweiligen persönlichen Ausgangsposition muss jedem Jugendlichen die bestmögliche Ausbildung zugänglich sein.

- Um dies zu ermöglichen, bedarf es neuer Formen der Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Institutionen, die partnerschaftlich mit den bestehenden Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten.

- Europa muss Ausbildung und Qualifikation mit höchster Priorität behandeln; eine "EU Skills Commission" sollte für verbesserte Rahmenbedingungen sorgen.

- Ein weiterer Schritt kann darin bestehen, öffentlich und privat kofinanzierte Übergangsmanager anzustellen, der als Mediator zwischen Schule und Berufsleben fungieren.

Die komplette Studie kann unter der Rubrik "Research" von der Website des Adecco Instituts unter www.adeccoinstitute.com heruntergeladen werden.

Über das Adecco Institut:

Das Adecco Institut ist ein Zentrum zur Erforschung der Zukunft der Arbeit. Gegründet wurde es im Oktober 2006. Vorsitzender ist Wolfgang Clement, ehemaliger deutscher Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit (2002-2005). Geschäftsführer des Instituts mit Sitz in London ist Peter Siderman, ehemals Partner bei McKinsey. Ziel es ist, eine Führungsrolle in der Diskussion rund um das Thema Arbeit zu übernehmen. Mittels Weissbüchern, Forschungsarbeiten und Diskussionsforen erarbeitet das Adecco Institut zukunftsgerichtete Modell-Vorschläge, die Unternehmen und Volkswirtschaften helfen sollen, sowohl die Produktivität zu erhöhen als auch die Zufriedenheit und Beschäftigungsfähigkeit von Mitarbeitern zu steigern.

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