Mercer-Analyse zum europäischen Postmarkt / Nur mit innovativen Ansätzen geht die Post ab

München (ots) - Erläuternde Diagramme liegen in der digitalen Pressemappe zum Download vor und sind unter http://www.presseportal.de/dokumente abrufbar - - Postkonzerne erzielen den Großteil ihres Profits nach wie vor im Briefgeschäft - Der Marktanteil neuer Wettbewerber wird von derzeit fünf auf 30 Prozent im Jahr 2015 ansteigen - Das profitabelste Kundensegment ist das der kleinen und mittleren Unternehmen - Postunternehmen müssen Kundenbedürfnisse besser kennen lernen und mit maßgeschneiderten Dienstleistungen bedienen - Attraktive Convenience-Angebote in den Postfilialen tragen zur Effizienzsteigerung der Netzwerke bei Die europäischen Postgesellschaften stehen kurz vor der geplanten Liberalisierung der Postmärkte am Scheideweg: Eine aktuelle Analyse von Mercer Management Consulting kommt zu dem Ergebnis, dass neue Wettbewerber ihren Marktanteil im lukrativen nationalen Briefgeschäft von derzeit fünf auf 30 Prozent im Jahr 2015 steigern werden. Besonders hohe Verluste werden die Postkonzerne im profitablen Kundensegment der SOHOs (Klein- und Kleinstunternehmen) erleiden, das einen Anteil von bis zu 60 Prozent am Unternehmensgewinn hat. Verlieren die Postkonzerne diese Kundengruppe, werden ihre Gewinne im Briefgeschäft teilweise um mehr als 30 Prozent sinken. Mercer empfiehlt den Postgesellschaften daher, ihr Geschäftsmodell an die neue Wettbewerbssituation anzupassen und ihr nationales Kerngeschäft abzusichern, indem sie genauere Kenntnisse über die Bedürfnisse ihrer Kunden gewinnen und diese mit innovativen Dienstleistungen bedienen. Dabei sind Kooperationen mit Frankiermaschinenherstellern ebenso aussichtsreich wie attraktive Convenience-Angebote in den Postfilialen. Sollten die Postkonzerne allerdings an ihrem bisherigen Geschäftsmodell festhalten, werden sie deutlich Marktanteile verlieren und zum Ziel von Investoren, zum Beispiel von Private-Equity-Gesellschaften. Postkonzerne betreiben in vielen europäischen Ländern ausgesprochen effiziente Netzwerke für die Distribution von Briefen und Paketen sowie für Bankgeschäfte. Der wichtigste Bereich ist das Briefgeschäft, das 60 Prozent des 90 Milliarden Euro schweren europäischen Marktes für Brief-, Paket- sowie Expresspost ausmacht und je nach Segment mit einer Umsatzrendite von 14 bis 20 Prozent besonders hohe Margen verspricht. Aber der Wettbewerb wird härter und die Marktanteile der europäischen Marktführer Deutsche Post (24 Prozent), La Poste (20 Prozent) und Royal Mail (19 Prozent) geraten in Gefahr. Denn einerseits wird die Briefpost teilweise durch elektronische Medien ersetzt, andererseits erscheinen zunehmend neue Wettbewerber. Sie stammen aus dem Verlagswesen, wie in Deutschland die PIN Group oder in Frankreich Adrexo. Oder es sind internationale Beteiligungen und Tochtergesellschaften der traditionellen Postkonzerne. Dazu gehören die TNT-Gesellschaft Belgische Distributiedienst oder CityMail, die schwedische Beteiligung der Norwegischen Post. Frankiermaschinenhersteller beginnen ebenfalls, ihr etabliertes Geschäftsfeld zu verlassen. So hat der Weltmarktführer Pitney Bowes gerade erst das Amerikageschäft von Spring Global Mail übernommen. Noch profitieren die staatlichen Postkonzerne davon, dass in den meisten Ländern der Europäischen Union der Markt für Briefsendungen bis 50 Gramm, und damit der Großteil des Briefgeschäftes, für sie reserviert ist. Nach Planungen der EU-Kommission soll dieses Monopol in der EU im Jahr 2009 fallen. Auch wenn in Deutschland die für 2008 vorgesehene Liberalisierung noch einmal verschoben werden sollte, steht sie definitiv in den nächsten Jahren an. Mercer geht davon aus, dass mit der endgültigen Öffnung der europäischen Postmärkte weitere neue Wettbewerber entstehen, die vor allem das lukrative Briefgeschäft angreifen und ihren europaweiten Marktanteil in diesem Segment von derzeit knapp fünf auf 30 Prozent im Jahr 2015 steigern werden. "Das nationale Kerngeschäft abzusichern ist die wichtigste, weil existenzielle Aufgabe der europäischen Postunternehmen", so Marco Demuth, Postexperte bei Mercer. "Dafür müssen die Postkonzerne ihr Geschäftsmodell konsequent an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten." Besonders umkämpft wird der Bereich der Geschäftskunden sein, auf das sich bereits heute primeMail, das Joint Venture von Hermes und der Swiss Post International, konzentriert. Das lukrativste Segment ist das der Klein- und Kleinstunternehmen (SOHOs: Small Offices/Home Offices), das bis zu 60 Prozent des Gewinns eines Postunternehmens beisteuert. Sollte es den neuen Postdienstleistern gelingen, diese profitable Zielgruppe mit abgestimmten Angeboten abzuwerben, würden die Gewinne der nationalen Postgesellschaften im Briefgeschäft bis 2015 teilweise um mehr als 30 Prozent sinken. Neue Geschäftsmodelle sichern die Wettbewerbsfähigkeit Gegenwärtig ist die Liberalisierung der Postmärkte in der EU unterschiedlich weit fortgeschritten. Insbesondere die süd- und osteuropäischen Länder stehen hier noch ganz am Anfang. In Großbritannien hingegen wurde auch der Briefmarkt im Januar 2006 komplett für den Wettbewerb geöffnet. Die britische Staatspost Royal Mail hat dadurch bis Anfang dieses Jahres 19 neue Konkurrenten bekommen, die sich primär auf das Geschäftskundensegment konzentrieren. In Deutschland fielen die ersten Wettbewerbshürden bereits vor zehn Jahren, so dass hier heute über 2.000 Lizenznehmer registriert sind, die 2006 einen Anteil von neun Prozent am gesamten deutschen Briefmarkt hatten. Den Liberalisierungsgraden in den einzelnen Ländern entsprechend befinden sich die Vorbereitungen der europäischen Postunternehmen für die endgültige Marktöffnung in unterschiedlichen Stadien. Die neue Wettbewerbssituation wird jedoch alle Universaldienstleister zwingen, ihr Geschäftsmodell grundlegend zu überdenken, denn mit den bisherigen Strategien werden sie in Zukunft stetig Marktanteile verlieren. Um im Briefgeschäft weiter erfolgreich zu sein, müssen sie vorhandene Strategien mit innovativen, wertschöpfenden Ansätzen verbinden. Die Deutsche Post beispielsweise hat schon vor über zehn Jahren mit der Restrukturierung begonnen, indem sie einzelne Dienstleistungsbereiche divisionalisiert hat. In einem weiteren Schritt hat das Management die Internationalisierung vorangetrieben. Mittlerweile ist das Unternehmen als integrierter Post- und Logistikdienstleister positioniert und hat sein Augenmerk auf organisches Wachstum gerichtet. Dieser Phasenansatz hat unter anderem dazu beigetragen, dass das internationale Postgeschäft der Deutschen Post zwischen den Jahren 2002 und 2005 ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 13 Prozent pro Jahr erreichen konnte. Mit dem Ausbau der Logistik und des Expressgeschäftes mit globaler Präsenz ist es der Deutschen Post gelungen, ein starkes Standbein für die Zeit nach der Liberalisierung des Briefgeschäftes zu schaffen. Auch die holländische Postgesellschaft TNT hat ihr Geschäftsmodell angepasst: Das Unternehmen hat das Kontraktlogistikgeschäft mit einer Marge von nur vier Prozent abgestoßen, um sich auf das Brief- und Expressgeschäft zu konzentrieren, das mit Gewinnmargen von knapp 20 Prozent (Brief) beziehungsweise rund zehn Prozent (Express) erheblich profitabler ist. Selbst wenn die Gewinne zukünftig unter Druck geraten, ist die Gesamtrentabilität des Unternehmens damit erheblich höher als im alten Geschäftsmodell. Auch die Internationalisierung wird bei TNT großgeschrieben, jedoch nur noch im Brief- und Expressgeschäft. So erwirtschaftet TNT bereits heute über ein Drittel des Briefumsatzes im Ausland. Die Expansion ins Ausland und damit die Reduktion der Abhängigkeit vom Heimatmarkt ist im Postgeschäft grundsätzlich richtig. Jedoch sollten die Unternehmen dafür sorgen, ihr Heimatgeschäft noch vor der endgültigen Liberalisierung abzusichern. Während sich hier Deutsche Post und TNT strategisch klar aufgestellt haben, sind beispielsweise die staatlichen Postgesellschaften in Spanien (Correos) und Griechenland (Hellenic Post) sowie die Postgesellschaften in Osteuropa größtenteils noch Staatsverwaltungen und weisen dementsprechend geringe Gewinnmargen auf. Postexperte Demuth: "Die Strategie der kleinen Schritte und die Konzentration auf Personalabbau bei manchen Gesellschaften wie der belgischen und griechischen Post reichen definitiv nicht aus, um zukünftig im Markt zu bestehen

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