WirtschaftsBlatt Kommentar vom 3.5.2007: Die Eurofighter brauchen einen Mediator - von Arne Johannsen

EADS will Flugzeuge verkaufen, Österreich welche haben

Wien (OTS) - Der EADS-Lobbyist Erhard Steininger entblösst vor Fotografen seinen Hintern, weil der Kopf nichts mehr hergibt. Maria Fekter, ÖVP-Abwehrchefin im Untersuchungsausschuss, schwärzt in einem Brief den Eurofighter-Konkurrenten Saab öffentlich an, um vom eigentlichen Thema abzulenken. Und das Ehepaar Rumpold klagt sich gegen Peter Pilz durch die Zivilgerichte, um zu verhindern, dass Details aus ihrem Steuerakt veröffentlicht werden herzlich willkommen in den Niederungen persönlichen und politischen Treibens.

Anfangs hat das Publikum angesichts der Enthüllungen im Eurofighter-Ausschuss noch darüber gestaunt, was in diesem Land so alles möglich ist. Dann kam die Phase des Amusements über die Unbedarftheit hochrangiger Entscheidungsträger, jetzt droht die angeekelte Abkehr der zunehmend entsetzten Beobachter.

Doch auch die Hauptakteure spüren, dass sie unaufhaltsam in eine Sackgasse rennen, aus der es kein Entkommen gibt. Der auf seine internationale Reputation angewiesene EADS-Konzern wird mehr als einmal den Tag verfluchen, an dem man sich mit Erhard Steininger eingelassen hat. Und auch Verteidigungsminister Norbert Darabos ahnt, was auf ihn zukommt: Jahrelange Rechtsstreitigkeiten, die Österreichs Ansehen als Vertragspartner schaden, geplatzte Milliarden-Gegengeschäfte und am Ende vielleicht eine Luftraumüberwachung, die keine Flugzeuge zur Verfügung hat. Siege sehen anders aus.

In diese Periode platzt der Vorschlag des Anwalts Georg Zanger, es mit einem Mediations-Verfahren zu versuchen (siehe S. 23). Mediation das hat nichts mit Yoga, gesunder Ernährung oder Psychotherapie zu tun, sondern ist ein auch im Wirtschaftsleben bewährtes Konfliktlösungsverfahren, bei dem nicht Gegensätze und Schuld im Mittelpunkt stehen, sondern gemeinsame Interessen. EADS will Flugzeuge verkaufen, Österreich welche haben: Über diese Brücke sollte ein geschulter Mediator die Kontrahenten führen können. Insofern hat Zangers Vorschlag einigen Charme, zumal er Werbung für ein sachorientiertes Verfahren machen würde.

Den Untersuchungsausschuss kann ein solches Verfahren allerdings nicht ersetzen. Denn in einer Demokratie hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, zu erfahren, wie sauber oder unsauber Entscheidungen zustande kommen. Doch wäre die Sachfrage der Abfangjäger-Anschaffung oder -Stornierung abgekoppelt, hätte auch der Ausschuss weniger Druck. Echte Aufklärung ohne Taschenspielertricks wäre dann um ein Vielfaches leichter möglich.

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