Armutsbericht: 71% der Kinder in Armut gehen Hauptschule, 29% aufs Gymnasium

Bildungsentscheidung zu früh. Schulqualität: wo zu wenig gelernt und zu viel gelehrt wird, rechnet man fix mit Nachhilfestunden anderswo

Wien (OTS) - "Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten werden mit
10 Jahren zu 71% auf die Hauptschulen , zu 29% aufs Gymnasium aufgeteilt.", zitiert die Armutskonferenz weitere Details des Armutsberichts der Statistik Austria.

"Diese Zahlen zeigen, dass das sozialokönomische Status der Eltern in Österreich einen zu starken Einfluss auf die Bildungswahl von Kindern hat. Die Bildungsentscheidung mit 9einhalb Jahren ist zu früh.", so Sozialexperte Martin Schenk von der Armutskonferenz.

"61 000 armutsgefährdeter Kinder leben in äußerst beengten Verhältnissen, sie leben in überbelegten Wohnungen, das heißt sie haben mit großer Wahrscheinlichkeit zu wenig Platz zum Spielen und Arbeiten, keinen eigenen Schreibtisch", zitiert Schenk den Armutsbericht. "Der eigene Platz zum Lernen, sich zu Konzentrieren ist ein Faktor, der in den OECD-Bildungsstudien als wichtiger Indikator für Lernerfolg beschrieben ist."

"Die Schulorganisation allein macht aber noch keine gute und sozial durchlässige Schule. Das hängt immer davon ab, was in der Schule qualitativ passiert. Eine Schule, in der zu wenig gelernt und zu viel gelehrt wird, rechnet fix mit Nachhilfestunden anderswo. Das stellt in jedem Fall eine Benachteiligung für einkommensschwache und ressourcenarme Haushalte da. Es braucht einen anderen Unterricht, der den für alle Beteiligten fatalen Kreislauf (auswendig) Lernen -Prüfung - Vergessen zu durchbrechen versucht; ein Unterricht, der statt aufeinanderfolgende Vergessensabschnitte zu produzieren, Lernprozesse gestaltet. Anstelle eines defizitorientierten Ansatzes zeichnen sich die sozial erfolgreichen Schulkonzepte durch die Orientierung an den unterschiedlichen Lebenswelten ihrer SchülerInnen aus: in heterogenen Gruppen individuell fördern. Das geht nur mit einer neue Unterrichtsqualität, einer neue Lehrerausbildung und einer neuen Schularchitektur.", fordert die Armutskonferenz.

Bei den 4- bis 6 Jährigen haben Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten eine deutlich geringere Betreuungsquote (57%) gegenüber nicht armutsgefährdeten Kindern (75% Betreuung). Das weist auf die die Zeit zwischen 3 und 6 Jahren hin, die große Chancen birgt, Kinder spielerisch individuell zu fördern. Die Kindergartenpädagogik muss aufgewertet werden, ein Vorschuljahr eingeführt, das System zweisprachiger BegleitlehrerInnen gehört massiv ausgebaut.

Insgesamt leben 98 000 Kinder und Jugendliche in "manifester Armut". 270 000 sind "armutsgefährdet. Armut ist konstant hoch. Die Vergleichszahlen zum letzten Jahr liegen alle in der statistischen Schwankungsbreite.

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