Plassnik: "Den Gefahren der Atomtechnologie wirksam begegnen"

Außenministerin eröffnet Vorbereitungstreffen zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrags

Wien (OTS) - "Wir sind mit einer zunehmenden Vertrauenskrise konfrontiert. Die Besorgnis über geheime Atomprogramme und den illegalen Handel mit Nukleartechnologie ist zu einem ständigen Begleiter der internationalen Politik geworden", erklärte Außenministerin Ursula Plassnik heute anlässlich der Eröffnung des ersten Vorbereitungstreffens für die Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrages im Jahr 2010. Vom Wiener Treffen werden Impulse für einen neuen Grundkonsens über nukleare Abrüstung und Nicht-Weiterverbreitung von Atomwaffen erwartet.

"Wir können uns nicht den Luxus leisten, Zeit zu verschwenden. Wenige Gefahren sind heute für den internationalen Frieden und Stabilität so besorgniserregend wie die Bedrohung durch den Missbrauch von Nukleartechnologie", unterstrich Plassnik. Weltweit gibt es 435 Atomreaktoren. Etwa ein Dutzend Staaten betreiben Urananreicherung. An die 40 Staaten verfügen über das grundsätzliche Wissen zur Produktion von Atomwaffen. Die Sorge, dass Nuklearmaterial in die Hände von Terroristen gelangen könnte, wächst

"Was wir brauchen, ist eine wirksame internationale Gegenstrategie. Die Europäische Integration hat hier den Weg vorgezeichnet. Mit der gemeinschaftlichen Kontrolle der für die militärische Aufrüstung zentralen Rohstoffe Kohle und Stahl hat Europa nach den Schrecken des zweiten Weltkrieges die richtige Antwort gefunden und die Vertrauensbasis für sein einzigartiges Friedensprojekt gelegt", so Plassnik.

Österreich habe daher in den vergangenen Wochen einen Vorschlag entwickelt, der dieses "europäische Erfolgsrezept" für die internationale Atomwirtschaft wieder aufgreift. "Ich bin überzeugt, dass nur durch eine "Vergemeinschaftung" des sensiblen Nuklear-Brennstoffzyklusses dem Vertrauensdefizit wirksam begegnet werden kann. Eine internationale nukleare Brennstoffbank unter Aufsicht der Internationalen Atombehörde in Wien, über die sämtliche Staaten ihre Brennstoffankäufe und Verkäufe abwickeln würden, wäre ein mutiges Signal. Nach den schleppenden Entwicklungen der vergangenen Jahre ist es jetzt an der Zeit, Schritt für Schritt den Weg der Offenheit und Transparenz in der atomaren Abrüstung und Nichtverbreitung zu gehen", so Plassnik weiter. "Die Internationale Atomenergiebehörde wäre als weltweit anerkannte Organisation ein strategischer Partner, um dieses Ziel zu erreichen".

Österreich schlage einen zweigleisigen Ansatz vor, wonach einerseits eine völlige Offenlegung sämtlicher Nuklearaktivitäten und Transaktionen unter internationaler Aufsicht stattfinden sollte. Andererseits sollten die Schlüsselphasen des Brennstoffzyklus -Anreicherung und Wiederaufbereitung - unter direkte internationale Kontrolle gestellt werden. Alle Staaten, die sich an strenge Auflagen halten würden, könnten, von einzelnen Lieferanten unabhängig, ihren Bedarf über diese Brennstoffbank decken. "Österreich hat sich bewusst gegen die Kernenergie entschieden. Die Atomtechnologie und die damit verbundenen Gefahren sind Teil unserer modernen Welt, mit der wir uns auseinandersetzen müssen - ob wir wollen oder nicht. Wegschauen oder Ignorieren ist keine Option. Angesichts des wachsenden Interesses für Atomstrom, insbesondere aus der dritten Welt, müssen wir uns daher aktiv dafür einsetzen, um sicherzustellen, dass dort, wo Atomenergie genützt wird, hundertprozentig gewährleistet ist, dass sie nur zu friedlichen Zwecken verwendet wird", so die Außenministerin abschließend.

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