Elternvertreter für gemeinsame Mittelstufe: Kinderfreunde fordern eine gemeinsame Schule

Kritik an Reformverweigerern in ÖVP und AHS-Lehrergewerkschaft

Wien (SK) - Mit heftiger Kritik an den Reformverweigerern in der ÖVP und der AHS-Lehrergewerkschaft melden sich am Montag die Österreichischen Kinderfreunde zu Wort. Die ÖVP habe am Sonntag in der ORF-Sendung "Im Zentrum" "ihre letzten Geschütze aufgeboten, um gegen eine Schulreform zu wettern. "Der Tenor ist dabei immer der gleiche: Es darf sich nichts ändern, weil 'für unsere Leute die Situation eh nicht so schlecht ist' - gemeint ist die Situation der AHS-LehrerInnen und die Situation der privilegierten Eltern", so der Bundesvorsitzende der Kinderfreunde, Oberösterreichs Soziallandesrat Josef Ackerl. Aber: "Der Kreis der Bürgerlichen, die ein besseres Bildungssystem nicht grundsätzlich ablehnen, wächst", so Ackerl auf die ÖVP-Landesparteien in Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und Kärnten sowie auf die Wirtschaft - "auch wenn von dieser größer werdenden Gruppe niemand im ORF auftreten durfte". ****

Als größte Familienorganisation Österreichs und Vertreterin tausender Eltern begrüßen es die Kinderfreunde, dass es in Österreich endlich zu einer breiten Diskussion über eine neue Mittelstufe kommt. Der Anfang sei getan: Österreich diskutiert über eine bessere Schulorganisation. Die Kinderfreunde bedauern aber, dass sich der katholische Familienverband vor den Karren der Reformgegner hat spannen lassen. "Wir Kinderfreunde waren überzeugt, dass auch der katholische Familienverband eine Entprivilegisierung des Schulsystems anstrebt", sagt Josef Ackerl.

"Leider können Interessengruppen wie die AHS-GewerkschafterInnen den Umstand derzeit ausnützen, dass sachliche Informationen über die Schwachstellen des österreichischen Bildungssystems bei den Eltern fehlen. Viele Eltern wissen nicht, was es für ihre Kinder konkret bedeuten würde, wenn es eine bessere Förderung jedes Kindes in einer neuen gemeinsamen Mittelstufe bis 15 geben würde. Dieses Informationsdefizit muss in den nächsten Monaten behoben werden. Dazu wollen auch wir Kinderfreunde einen Beitrag leisten", sagt Josef Ackerl.

Die Kinderfreunde verwahren sich jedenfalls gegen die Darstellung, dass die Eltern gegen eine Schulorganisationsreform eintreten würden. "Im Gegenteil: Wir sind ständig mit Eltern konfrontiert, die vor dem Halbjahreszeugnis ihrer Kinder in der vierten Volksschulklasse Angst haben, dass ihr nicht einmal 10-jähriges Kind auf das bildungspolitische Abstellgleis gestellt wird, weil es die Vorraussetzungen für den begehrten AHS Platz nicht erfüllt. Wir erleben Eltern, die verzweifelt sind darüber, dass in manchen Hauptschulen nur vereinzelt Kinder mit österreichischer Muttersprache zu finden sind und sie ihr Kind in einem Sammelbecken für benachteiligte Kinder untergebracht sehen."

Daher ist es für die Kinderfreunde "an der Zeit, auch über Pädagogik zu reden. In Österreich sind moderne Unterrichtsformen rar wie mancherorts AHS-Plätze." Im Interesse der Kinder seien also PädagogInnen für neue Unterrichtsformen auszubilden und ein Schulsystem zu schaffen, dass jedes einzelne Kind dort unterstützt und fordert, wo das Potential und die Fähigkeiten des Kindes liegen. "Diese Schule wird am Ende nur eine Schule für alle sein können, wie sie sich im Volksschulbereich ja bereits bestens bewährt. Die Frage ist nur, wie lange die ÖVP für ihre kleine Elite das bestehende und für viele Kinder ungerechte und wenig leistungsfähige System verteidigen kann und will", resümierte Ackerl. (Schluss) wf/mp

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