Österreicher mit Verantwortung

"Presse"-Leitartikel von Franz Schellhorn

Wien (OTS) - Die OMV wird in Teheran wegen ihrer Investition wie
ein Held gefeiert: Der Iran ist wieder wer. Wir übrigens auch.

Wer im internationalen Ölbusiness Geschäfte machen will, darf nicht zimperlich sein. Erdöl und Erdgas wachsen schließlich nicht auf den Bäumen, sondern finden sich meist unter den Böden von Ländern, an deren Oberfläche es recht grausam zugehen kann. Da wird schon einmal eine Hand abgeschlagen, weil sich diese einen Apfel genommen hat, ohne dafür Geld hinzulegen. Und wenn es das "Gesetz Gottes" verlangt, wird hin und wieder ein wenig gesteinigt. Zum Beispiel, wenn eine verheiratete Frau dabei erwischt wird, wie sie sich zur falschen Zeit im falschen Bett aufhält.
Auf derartige "Dinge" können Ölkonzerne keine Rücksicht nehmen. Andernfalls müssten sie die Branche wechseln oder lukrativste Geschäfte Konkurrenten überlassen, die mit etwas weniger Skrupeln ausgestattet sind. Wer will das schon. Ölfirmen sind nun einmal dazu da, Verbraucher (also uns) mit Treibstoff, Erdgas und anderen Ölprodukten zu versorgen. Und das nach Möglichkeit mit hohem Gewinn. Punkt.
Weshalb der österreichische Mineralölkonzern OMV auch nichts dabei findet, mit dem Iran ein riesiges Gasgeschäft zu verhandeln. Schließlich kauft mit Ausnahme der USA bereits die ganze Welt Tag für Tag auch jede Menge iranisches Erdöl. Warum also nicht auch Erdgas? Zudem ist alles, was in der europäischen Ölbranche Rang und Namen hat, im Iran vertreten. Selbst die Vereinten Nationen sehen kein Problem darin, wenn der Westen im Iran investiert.
Die österreichische Außenministerin Ursula Plassnik sieht darin nicht nur kein Problem, sie begrüßt das geplante finanzielle Engagement der Österreicher ausdrücklich. Weil dadurch die Sicherheit, dass Österreich mit ausreichend Erdgas versorgt bleibt, deutlich steigt. Was nicht gelogen ist. Selbst Amnesty International hält das Engagement der OMV im Iran für eine tolle Sache.
Wo liegt also das Problem?
Mit Sicherheit einmal darin, dass wir es im Falle des Iran nicht "nur" mit einem Staat zu tun haben, der Menschenrechte für eine vernachlässigbare Erscheinung des Zeitgeistes hält. Sondern mit einem Land, dessen Führung sich alles andere als sicher ist, dass in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches tatsächlich schreckliche Dinge passiert sind. Mahmoud Ahmadinejad hält den Holocaust bekanntermaßen für eine Legende der "Ostküste". Mit den Juden hat er es ja generell nicht so. Weshalb Israel auch auszulöschen wäre, um die "Palästina-Frage" sozusagen endgültig zu lösen.
Ob der Iran auch deshalb schon fleißig an der Atombombe bastelt, wie ihm weltweit unterstellt wird, ist umstritten. Fest steht, dass die sogenannte Weltgemeinschaft ob des iranischen Atomprogramms seit Monaten über verschärfte Wirtschaftssanktionen gegen Teheran debattiert.
Schon deshalb ist es höchst eigenartig, wenn sich gerade die österreichische Außenministerin - ausgerechnet jetzt - über die heimische Erdgas-Versorgung den Kopf zerbricht. Und nicht über die enorme politische Symbolkraft des OMV-Engagements im Iran. Immerhin dürfte auch dem Außenamt bekannt sein, wie das Teheraner Regime die Unterzeichnung der Absichtserklärung mit den Österreichern nun zelebriert. Das Thema wird im Iran medial rauf und runter gespielt. Der Zeitpunkt der Verkündigung des Deals hätte verheerender kaum sein können.
Die Österreicher werden in Teheran wie Helden gefeiert. Helden, die sich nicht von den Amerikanern diktieren lassen, mit wem sie Geschäfte zu machen haben. Endlich sind die Iraner wieder wer. "Seht her, wir haben Partner im Westen", so die versteckte Botschaft. Atomprogramm hin oder her, Anti-Israel-Parolen hin oder her.
Auch wir Österreicher sind wieder wer. Höchst fraglich, ob wir so etwas überhaupt sein wollen. Oder sein sollen. Die Antwort kann nur ein klares Nein sein. Selbst, wenn von einer teilstaatlichen OMV niemand verlangen kann, Weltpolitik zu betreiben. Selbst, wenn der börsenotierte Konzern eine derart große Chance rein wirtschaftlich betrachtet sogar ergreifen muss. Zumal ja niemand weiß, wie lange Herr Ahmadinejad noch im Amt sein wird.

Ein Unternehmen wie die OMV kann die Sache aber nun einmal nicht nur rein wirtschaftlich sehen. Schließlich haben wir es hier mit einem Konzern zu tun, der sich 365 Tage im Jahr mit seiner "Corporate Social Responsibility" brüstet. Hinter diesem Begriff kaufen sich Unternehmen gerne von den Unannehmlichkeiten frei, die ihnen auf den Weltmärkten so begegnen. Ein Konzern, der sich gern selbst für sein Wohlverhalten auf den Weltmärkten applaudiert, wird sich auch gefallen lassen müssen, an den eigenen Ansprüchen gemessen zu werden.

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