Österreich: Trockenheit senkt Ertragserwartungen für Ernte 2007

Auch andere europäische Länder besorgt - Frost in USA - global geringe Getreidereserven

Wien (AIZ) - In Österreich reduzieren sich die Ertragserwartungen für die Ernte 2007 mit jedem regenlosen Tag. Die Winterweizenbestände sind bisher prächtig aufgelaufen, benötigten aber wegen der "fast beängstigenden" Bestandsdichte binnen der nächsten zehn Tage dringend ausgiebigen Regen, der aber nirgendwo in Sicht sei, zeigen sich Pflanzenbauexperten der Landwirtschaftskammern besorgt. Jeder weitere regenlose Tag steigere in diesem Stadium zwar das Qualitätspotenzial, senke aber die Erträge, heißt es. In den USA trieb der Frosteinfall im wheat belt zur Osterzeit, der zu einer drastischen Verschlechterung der Saatenentwicklungsbewertung führte, die Weizennotierungen an der globalen Leitbörse Chicago Board of Trade (CBOT) in die Höhe. Die globalen Getreidereserven werden dazu noch vor der Ernte 2007 einen 30-jährigen Tiefststand erreicht haben.

Weiters benötigt der Winterweizen in Österreich dringend die zweite Düngergabe, weil die Bestände lichter werden. Dies sei aber auch nicht möglich, weil das Ausbleiben von Regen die Nährstoffe nicht zu den Wurzeln bringen könne. "Langsam wird die Lage prekär, die nächsten Tage entscheiden ein verdammt spannendes Jahr", so ein Pflanzenbauer. Auch die Sommerungen bräuchten jetzt dringend Regen, um drohende Engpässe in der Futtergetreide- und Grünfutterversorgung zu entschärfen. Vor allem die in unterschiedlicher Bestandesdichte zum Großteil in der Karwoche gesäten und nun aufgelaufenen Zuckerrüben und der kürzlich angebaute Mais dürsten jetzt laut Experten gierig nach Wasser.

Auch Ackerbauern in Deutschland und anderen Ländern warten sehnsüchtig auf Regen

Die deutschen Ackerbauern warten ebenfalls sehnsüchtig auf Regen. Erste Beeinträchtigungen der Getreidebestände wurden im Nordosten und Süden beobachtet, berichtete kürzlich die Fachzeitung Ernährungsdienst (ED). Auch andere Regionen Europas melden Sorge um die Trockenheit. So drohe der Po-Ebene in Oberitalien erneut eine katastrophale Dürre, berichten Medien. Der Pegel des längsten Flusses Italiens liege 6 m unter dem Normalstand. Seit Wochen sei der Niederschlag ausgeblieben. Sollte es in nächster Zeit nicht regnen, ist mit Ernteausfällen in der Kornkammer Italiens, aus der ein Drittel der Agrarproduktion des Apenninenstaates kommt, zu rechnen. So seien auch im Süden und Osten der Ukraine die kommenden zehn Tage dafür entscheidend, ob die Winterweizenerträge Dürreschäden nehmen.

Ernteprognosen sinken vor dem Hintergrund geringer globaler Reserven

Die Welt wird das Wirtschaftsjahr 2006/07 (01.07.2006 bis 30.06.2007) mit einem Endbestand an Getreide von 242 Mio. t beenden. Damit schmolzen die Getreidelager als Folge schlechter Ernten 2006 auf der nördlichen Halbkugel und in Australien binnen Jahresfrist um 67 Mio. t auf einen 30-jährigen Tiefstand. Die Weizenernte 2006 fiel global um 30 Mio. t geringer aus als 2005, wobei Australien mit einem Ernteausfall von 15 Mio. t alleine die Hälfte zu dem Minus beitrug, um 8,5 Mio. t fiel die Weizenernte 2006 in der EU gegenüber 2005 zurück, um 7,5 Mio. t in den USA und um 6,5 Mio. t in Russland. Zuwächse erzielten 2006 Indien, China und Südamerika. Die globalen Weizenvorräte zum Ende des Wirtschaftsjahres 2006/07 werden weniger als 20% eines weltweiten Jahresverbrauchs an Weizen erreicht haben. Aufgrund des milden Winters in Europa und des Abflauens des Klimaphänomens EL Nino in Australien rechneten Experten zwar bis zuletzt mit einem Erfangen der globalen Weizenproduktion im Jahr 2007 um 34 Mio. t, doch müssen diese Prognosen nun aufgrund der aktuellen Wetterphänomene laufend wieder reduziert werden.
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