Influenza-Pandemie: Österreichs Unternehmen bereiten sich auf Ernstfall vor

Wien (OTS) - Ein Drittel oder gar die Hälfte der Belegschaft
krank, Produktion, Forschung und Verwaltung können nur mehr im Notbetrieb gefahren werden oder kommen zum Stillstand, weil Schlüsselarbeitskräfte fehlen. Ein Szenario, das angesichts einer von ExpertInnen als real eingestuften Gefahr einer Influenza-Pandemie erhöhte Aufmerksamkeit auf Managementebene verlangt.

Um sich über vorzubereitende Maßnahmen für den Fall einer Influenza-Pandemie zu informieren, trafen sich am 21. April BetriebsärztInnen von 150 österreichischen Top-Unternehmen in Loipersdorf zu einem Symposium. Hochrangige ExpertInnen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft referierten über Vorsorge- und Akutmaßnahmen.

Influenza-Pandemie - Hysterie oder Realität?

Meldungen über die Vogelgrippe und eine Influenza-Pandemie hatten in den vergangenen Jahren in sämtlichen Medien einen Fixplatz. 2007 hat sich das mediale Interesse wieder gelegt, obwohl sich das H5N1-Virus ständig weiter ausbreitet und es laufend zu Ausbrüchen im asiatischen, aber auch im europäischen Raum kommt. "Tatsache ist, dass die Gefahr der Influenza-Pandemie real ist. Es ist keine Frage mehr, ob eine solche Pandemie entsteht, sondern nur mehr wann", so der Veranstalter des Symposiums, Sozialmediziner Univ.-Prof. Dr. Michael Kunze, der keinen Anlass zur Entwarnung sieht.

Die WHO* rechnet bei Ausbruch einer Influenza-Pandemie mit einer Infektionsrate von bis zu 50% weltweit. Millionen Todesopfer sind zu erwarten. Die prognostizierten Folgen: eine weltweite Wirtschaftskrise sowie der Zusammenbruch von Infrastruktur und Versorgungssystemen. Daher raten die ExpertInnen der WHO allen Staaten dringend zur Entwicklung von Vorsorgeplänen und zur Bevorratung antiviraler Medikamente wie dem Neuraminidasehemmer Tamiflu(R) (Wirkstoff Oseltamivir).

Österreich gut gewappnet?

Österreich hat mit der Erstellung des österreichischen Pandemieplans einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Bevölkerung und zur Eindämmung volkswirtschaftlicher Verluste getätigt. Prof. MedR. Dr. Hubert Hrabcik, Generaldirektor für öffentliche Gesundheit im Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend: "Die Grundzüge des österreichischen Pandemieplans umfassen seuchenhygienische Maßnahmen, den Einsatz von antiviralen Medikamenten wie Tamiflu(R) oder Relenza(R) sowie ein Impfprogramm mit vertraglicher Zusicherung über die Lieferung eines Pandemie-Impfstoffes, sobald dieser vorhanden ist." Ab dem Zeitpunkt einer Bedrohung an Österreichs Grenzen durch eine Influenza-Pandemie werden die so genannten Schlüsselkräfte (medizinisches Personal, Polizei, Feuerwehr etc.) zur Vorbeugung Tamiflu(R) erhalten. Hrabcik:
"Damit soll die Wartezeit von mindestens drei Monaten bis zur Verfügbarkeit eines speziell entwickelten Pandemie-Impfstoffes überbrückt werden. Die durch die Bevorratung antiviraler Medikamente und Impfstoffankauf entstehenden Kosten entsprechen ca. einem Zehntel der Verluste, die Österreich im Pandemiefall ohne entsprechende Vorkehrungen erleiden würde."

Ungebremste Grippe-Pandemie bedeutet globalen infektiologischen Super-Gau

"Ein Szenario einer ungebremst verlaufenden Grippe-Pandemie bedeutet einen globalen infektiologischen Super-Gau. Die grundsätzlichen Eigenschaften des Influenzavirus, nämlich die Fähigkeit zur laufenden Veränderung, die leichte Übertragbarkeit und die kurze Ansteckungszeit, prädestinieren diese Virusart als Auslöser einer Pandemie. Schon seit einiger Zeit wird das Influenza A/H5N1-Virus hier als Möglichkeit gehandelt, andere aviäre Influenzaviren werden jedoch von Experten ebenfalls nicht ausgeschlossen", so der Facharzt für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin DDr. Martin Haditsch, vom aö KH der Elisabethinen in Linz.

DDr. Haditsch betont weiters: "Bei der Annahme eines Ausbruchs in Südostasien ist davon auszugehen, dass die Pandemie erst als solche bekannt wird, wenn weltweit schon zahlreiche Infizierte "unterwegs" sind. Die Vorlaufzeit würde also nach meiner Einschätzung wesentlich kürzer sein, als es derzeit vielerorts verkündet wird. Somit wird letztlich das Ausmaß der Vorbereitung entscheidenden Einfluss darauf haben, ob aus der Pandemie eine Katastrophe wird oder nicht."

Diagnostische und therapeutische Herausforderungen einer Influenza-Pandemie

"Therapeutisch gelten Neuraminidasehemmer als das Mittel der Wahl zur Behandlung von Influenza-Infektionen und werden von der WHO auch zur Bevorratung für den Fall einer Pandemie empfohlen. Der Therapieerfolg von Tamiflu(R) wird maßgeblich vom Zeitpunkt des Beginns der Behandlung abhängen. Je früher die Therapie im Krankheitsverlauf eingesetzt werden kann, desto effektiver ist die Wirkung", so Haditsch.

Wie wichtig eine entsprechende Vorbereitung ist, zeigen die vor allem im asiatischen Raum laufend auftretenden Todesfälle nach einer Infektion mit dem H5N1-Virus. Aber auch in Ägypten konnten bereits Therapieerfolge bei H5N1 erzielt werden. In den Fällen, in denen der bzw. die H5N1-PatientIn rechtzeitig Tamiflu(R) erhalten hat, hat das Medikament erfolgreich gewirkt, wie die WHO bestätigt. Da jedoch in den zur Zeit am stärksten betroffenen Ländern häufig die Infrastruktur mangelhaft und die Hygienebedingungen schlecht sind, erhält der Großteil der Opfer die medizinische Versorgung meist erst zu einem Zeitpunkt, zu dem das Virus schon massive Schädigungen im gesamten Organismus hervorgerufen hat.

Die Wichtigkeit der Pandemie-Vorsorge aus der Sicht der Wirtschaft

Dr. Jadwiga Linemayr, Center for Occupational Health OMV: "Die OMV ist als Erdöl- und Erdgaskonzern in 27 Ländern auf 5 Kontinenten tätig. Entsprechend ihren Grundsätzen mit hohen Sicherheits- und Gesundheitsstandards hat die OMV einen eigenen Pandemieplan erstellt. Dieser Plan stellt sowohl die medizinische Vorsorge und Behandlung der Mitarbeiter als auch das Krisenmanagement für den Fall einer Influenza-Pandemie sicher. Für jeden OMV-Mitarbeiter weltweit inklusive Petrom (Rumänien) wurden ausreichend Neuraminidasehemmer und Masken bevorratet, in Asien und Afrika auch für die Familienmitglieder."

Die OMV hat Notfall- und Krisenpläne erstellt, es werden spezielle Trainings abgehalten, und die MitarbeiterInnen werden über geeignete Vorsorgemaßnahmen für Auslandsreisen und allgemeine Hygienemaßnahmen im Fall einer Pandemie informiert.
Linemayer: "Zielsetzung des OMV-Pandemieplans ist einerseits die Aufrechterhaltung des Betriebes und somit die Sicherstellung der Energieversorgung während einer Pandemie, anderseits die bestmögliche medizinische Versorgung der eigenen Mitarbeiter entsprechend dem OMV-Leitbild."

Die Rolle der österreichischen BetriebsärztInnen im Pandemiefall

Der österreichische Pandemieplan soll mit Hilfe der BetriebsärztInnen auf betrieblicher Ebene umgelegt werden, betont Hubert Hrabcik vom Gesundheitsministerium. Dieser beinhaltet Maßnahmen laut dem Epidemiegesetz, den Einsatz von Neuraminidasehemmern sowie die Impfung gegen die jährliche Influenza. "Diese Mindestmaßnahmen sollen das Fortlaufen der Betriebe im Pandemiefall gewährleisten", so Hrabcik. "Jeder Betrieb ist dazu angehalten, eigene Vorsorgepläne zu entwerfen und damit Verantwortung in Bezug auf die gesamtwirtschaftliche Situation Österreichs im Fall einer Pandemie zu übernehmen." Die Vorbereitung und Implementierung von Schutzmaßnahmen bringt neben dem Wettbewerbsvorteil auch einen Imagegewinn sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens.

Sozialmediziner und Veranstalter des Symposiums Michael Kunze im Schlusswort der Veranstaltung: "Die österreichische Regierung und einige Betriebe haben sich gut vorbereitet, nun sollten möglichst viele weitere Betriebe diesem Beispiel folgen und sich - auch im eigenen Interesse - verantwortungsvoll auf ein Pandemie-Szenario vorbereiten. Den Betriebsärzten und -ärztinnen wird hierbei eine wichtige Rolle bei der Unterstützung des Krisenteams zukommen."

*Weltgesundheitsorganisation

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