ÖSTERREICH: Raidl-Kritik an "katholischer Verlogenheit" in der ÖVP

Volkspartei soll sich mehr auf Ausbau der Kinderbetreuungsplätze konzentrieren

Wien (OTS) - Aufhorchen lässt Claus Raidl, Böhler-Uddeholm-Chef und früher Berater von Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, vor dem ÖVP-Parteitag in einem Interview mit der morgigen (Samstag-) Ausgabe von ÖSTERREICH. Raidl zur familienpolitischen Linie der Volkspartei:
"Die ÖVP hält eine von der katholischen Kirche geprägte Familienidylle hoch, die darin besteht, die Frau bleibt zuhause und bekommt jedes Jahr ein Kind, und zwar vom gleichen Mann". Die Realität zeige aber, dass "die Frauen eben nicht zuhause bleiben wollen, dass Ehen auch geschieden werden, auch in ÖVP-Kreisen, und dass es immer noch besser ist, eine Ehe wird ordentlich geschieden, als man lebt verlogen zusammen". Raidl ist deshalb dringend für den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen statt weiteren Erhöhungen von Direktzahlungen.

"Die Familienpolitik der ÖVP muss sich auch diesen Formen öffnen, also den alleinerziehenden Müttern, den Geschiedenen, und vor allem auch gegenüber Frauen, die nach der Geburt wieder arbeiten gehen wollen. Der Staat muss sich in seiner Förderung der Realität anpassen und nicht den Idyllen". Und: "Da ist eine gewisse katholische Verlogenheit, man will nicht offen zugeben, dass die Lehrsätze der katholischen Kirche in diesen Punkten nicht brauchbar sind, sondern hält das zum Schein aufrecht, obwohl jeder weiß, dass darunter die Realität eine andere ist". Die ÖVP solle nicht von der katholischen Kirche beeinflussten Idyllen nachlaufen.

Für Raidl ist die Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen dringend und vorrangig: "Man soll in Zukunft von Direktzahlungen abrücken und das Geld für Kinderbetreuungsplätze verwenden. Ich will nicht die berühmte Billa-Kassiererin zitieren, aber für viele ist die Arbeit einfach eine Notwendigkeit. Sie brauchen das Geld einfach. Diesen Frauen ist mit dem Kinderbetreuungsgeld allein nicht geholfen". Raidl sprach sich zugleich dafür aus, die Grenze für das Zuverdienst zu streichen.

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