Caritas und Volkshilfe Wien ziehen positive Bilanz nach 5 Jahren EQUAL

Maßgeschneiderte Angebote für langzeitarbeitlose junge Menschen zeigen Erfolg

Wien (OTS) - "Langzeitarbeitslose Menschen können, sollen und wollen gefordert werden", zieht Caritasdirektor DDr. Michael Landau Bilanz aus insgesamt 5 Jahren EU-Initiative EQUAL. Anlass dazu ist der Abschluss der beiden Projekte "Generation 19+" und "spurwechsel", die von Caritas bzw. Volkshilfe Wien koordiniert wurden. Beide wurden im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative EQUAL aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit gefördert. Jetzt müssen die positiven Erfahrungen genutzt und innovative Ansätze in den Regelbetrieb der nationalen österreichischen Arbeitsmarktpolitik übernommen werden, sind sich Landau und Volkshilfe Wien-Geschäftsführer DSA Walter Kiss einig.

Generation 19 plus: Eine Chance für junge Erwachsene

Die Zielgruppe von "Generation 19+" waren junge Erwachsene im Alter zwischen 19 und 30 Jahren, die vor der Projektteilnahme zu den Abgeschriebenen am Arbeitsmarkt gehörten. Sie hatten keinen oder maximal Pflichtschulabschluss und keine oder kaum Erfahrung am Arbeitsmarkt gesammelt. Entsprechend prekär war auch ihre Einkommens-und Lebenssituation. "Weil wir der Meinung sind dass Erwerbslosigkeit bei jungen Erwachsenen in einem besondern Maße untragbar ist, haben wir uns gemeinsam mit unseren PartnerInnen entschlossen, ein Projekt für diese Zielgruppe anzubieten. Denn welch schlimmere Botschaft könnte einer Gesellschaft der jungen Generation vermitteln, als jene, dass viele ihre Angehörigen nicht gebraucht werden, verzichtbar, überflüssig sind", so Caritasdirektor DDr. Michael Landau.

Am Projekt "Generation 19+" haben 103 Personen teilgenommen, 84 von ihnen haben das Projekt abgeschlossen, die "Erfolgsquote" liegt bei 60 Prozent. Das heißt konkret: 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mittels dieses Projekts entweder eine Ausbildung begonnen oder sind in ein weiterführendes Projekt gewechselt, 11 von ihnen haben sogar einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden. "Wir haben damit jungen Menschen, die keine Chance hatten, jemals am regulären Arbeitsmarkt dauerhaft Fuß zu fassen, eine neue Perspektive eröffnet. Und dabei ging es uns darum, nachhaltige Hilfestellungen anzubieten, die Menschen zu befähigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen", so Landau.

Spurwechsel - die richtige Fahrspur ins Arbeitsleben

Jubelmeldungen über eine steigende Konjunktur und sinkende Arbeitslosenzahlen beherrschen derzeit den arbeitsmarktpolitischen Diskurs. Dahinter verbirgt sich jedoch nur die Hälfte der Wahrheit:
"Wenig qualifizierte Menschen bekommen trotzdem keinen Job," so DSA Walter Kiss, Geschäftsführer der Volkshilfe Wien. Bei "Spurwechsel" bot gerade die erfolgreiche Kombination und der flexible Einsatz von differenzierten, maßgeschneiderten Angeboten für viele junge arbeitsuchende Erwachsene die richtige Fahrspur in ihr zukünftiges Arbeitsleben. Es ermöglichte in den letzten 20 Monaten 43 jungen Frauen und Männern mit Sozialhilfebezug und Notstandshilfe den beruflichen Einstieg, d. h. Vollzeit- oder Teilzeitdienstverhältnisse und den Beginn von Lehrausbildungen.

"Gerade junge Erwachsene mit Sozialhilfebezug haben kaum oder nur kurzfristige Arbeitserfahrung und benötigen Praxiserwerb unter realen Arbeitsmarktbedingungen," ist Kiss überzeugt. Neue Perspektiven durch Trainingsarbeitsplätze und Anlehren in Form von Praktika mit Übernahmeoption in der Privatwirtschaft haben bei "Spurwechsel" großen Erfolg gezeigt. Den Unternehmen wird dabei einerseits eine betriebsgerechte und ökonomische Einschulung "on the job" ermöglicht, andererseits haben die jungen Erwachsenen die Möglichkeit Arbeitsfelder näher kennen zu lernen, sich einzuüben und im Betrieb zu etablieren. Kiss: "Das Modell `Spurwechsel´ hat deshalb so gut funktioniert, weil das Arbeitsangebot im Vordergrund gestanden hat und aus der Arbeitssituation heraus Perspektiven entwickelt wurden."

Innovationscharakter nützen

Pilotprojekte wie "Generation 19+" können aber nur Innovationscharakter haben. Vergleichbare Angebote müssen zu einem ganz selbstverständlichen, integralen Bestandteil "Wir sehen, dass diese Projekte etwas bewegen und wünschen uns deshalb die Fortführung und den Ausbau innovativer zukunftsorientierter Maßnahmen für so genannte `Problemgruppen´ am Arbeitsmarkt", macht Landau deutlich.

Die Stärke beider Projekte liegt in der Breite der sich ergänzenden Angebote. Sie bilden sozusagen eine Brücke zwischen AMS und MA 15. Und genau da könnte auch ein wichtiger Angelpunkt für die Zukunft liegen: Denn AMS-Angebote alleine genügen nicht, es ist auch eine zusätzliche soziale Komponente notwendig. Kiss: "Um hier den jungen Menschen sinnvoll helfen zu können, müssen Erkenntnisse aus der Projektentwicklung in das arbeitsmarktpolitische Regelprogramm übernommen werden." Im Sinne eines "One-Desk-Systems" wäre es ideal, alle Angebote aus einer Hand offerieren zu können. Derzeit gibt es keinen "roten Faden" - niemand begleitet die Arbeitsuchenden auf dem Weg durch den Bürokratiedschungel. Kiss: "Unterm Strich muss der Mensch zählen und nicht die Quote!

In den Projekten wurde eine weitere Problematik offensichtlich:
Personen, die ausschließlich Sozialhilfe beziehen, haben keinen Zugang zu Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik.
"Das ist weder sachlich noch vom menschlichen Standpunkt gerechtfertigt", meint Landau. "Wir würden es sehr begrüßen, wenn die als erwerbsfähig eingestuften SozialhilfeempfängerInnen künftig durch das AMS betreut, gefördert und vermittelt würden. Dafür braucht es aber geeignete Angebote, die es derzeit nicht bzw. kaum gibt." "Was wir aber zusätzlich dringend benötigen," so Kiss weiter, "ist die Gewährleistung von gesetzlichen Rahmenbedingungen und Unterstützungen durch die öffentliche Hand." Nur unterstützende Beratungsleistungen und Qualifizierungsangebote für Betriebe, die langzeitarbeitslose junge Menschen anstellen, ermöglichen eine rasche und nachhaltige Arbeitsintegration.

Jetzt müssen diese positiven Erfahrungen genutzt und innovative Ansätze in den Regelbetriebe der nationalen österreichischen Arbeitsmarktpolitik übernommen werden. Wichtig ist dabei aus Sicht der Projektpartner Caritas und Volkshilfe Wien Folgendes: Die Angebote der aktiven Arbeitsmarktpolitik müssen Menschen dort abholen, wo sie gerade stehen, sie müssen also zielgruppenorientiert und maßgeschneidert sein, dann zeigen sie auch Erfolg!

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