"Kleine Zeitung" Kommentar: "Amerikas Schusswaffen-Lobby verhindert strengere Gesetze" (Peter W. Schroeder)

Ausgabe vom 18.04.2007

Graz (OTS) - Das Ritual in den USA ist stets dasselbe: Irgend-jemand verübt ein Massaker mit 10, 20 oder auch 33 Toten wie jetzt in der "Virginia Tech"-Universität in Blacksburg. Und sofort melden sich Politiker und Schusswaffen-Lobby mit dem warnenden Hinweis, dass der tragische Zwischenfall ein Anlass zu mitfühlenden Gebeten, aber auf keinen Fall ein Grund zur Verschärfung der amerikanischen Waffengesetze sei.

Ein Sprecher der etliche Millionen Mitglieder zählenden "National Rifle Association" (NRA) ließ wissen: "Waffen töten nicht, Menschen töten!" Folglich bedürfe es keines Waffenverbots, sondern nur eines Verbots zum missbräuchlichen Gebrauch derselben.

Natürlich sind Mord und Massaker gesetzlich verboten, was aber nachweislich Mord und Massaker nicht verhindert. Im Gegenteil. In keinem anderen Land der Welt wird mit Waffen in Privatbesitz so oft gemordet wie in den USA. Allein im Vorjahr mehr als 14.000 Mal. Auf dem Schlachtfeld USA starben damit ungleich mehr Amerikaner als in den Kriegen im Irak und in Afghanistan.

Amerikas Rechte, der Präsident und die NRA berufen sich auf den Verfassungszusatz, der US-Bürgern angeblich das nahezu unbeschränkte Recht zur privaten Aufrüstung garantiert. Und sie argumentieren, dass Kriminelle immer einen Weg zur Waffenbeschaffung finden, und Beschränkungen des Schusswaffenbesitzes gesetzestreuen Bürgern nur die Möglichkeit zur Notwehr nehmen würden.

Diese verquere Logik lässt außer Acht, dass die Mehrheit aller von Kriminellen bei Straftaten eingesetzten Waffen vorher bei ehrbaren Amerikanern gestohlen worden sind. Und an Nachschub besteht kein Mangel. US-Bürger horten privat 300 Millionen Schusswaffen.

So bekommt alle Welt den Eindruck, Amerikaner seien unverbesserliche SchießeisenFreunde mit überholter Pioniermentalität. Aber laut Umfragen ist die Mehrheit der US-Bürger längst einsichtig und zumindest von einer Verschärfung der liberalen Waffengesetze überzeugt. Was fehlt, ist der Mut der Politiker, das Verlangen der Mehrheit umzusetzen.

Dafür gibt es Gründe. Der wohl ausschlaggebende ist die Macht der Schusswaffen-Lobby, die Wahlkampfkassen waffenfreundlicher Politiker mit Millionenspenden auffüllt und Verfechter schärferer Waffengesetze mit millionenschwerer Anti-Werbung diskriminiert.

Das Ergebnis dieses Kreuzzugs einer verblendeten Minderheit erschüttert die US-Gesellschaft immer wieder. Wie jetzt beim Massaker in Virginia. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001