• 17.04.2007, 18:58:39
  • /
  • OTS0279 OTW0279

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Amerikas Schusswaffen-Lobby verhindert strengere Gesetze" (Peter W. Schroeder)

Ausgabe vom 18.04.2007

Graz (OTS) - Das Ritual in den USA ist stets dasselbe: Irgend-
jemand verübt ein Massaker mit 10, 20 oder auch 33 Toten wie jetzt in
der "Virginia Tech"-Universität in Blacksburg. Und sofort melden sich
Politiker und Schusswaffen-Lobby mit dem warnenden Hinweis, dass der
tragische Zwischenfall ein Anlass zu mitfühlenden Gebeten, aber auf
keinen Fall ein Grund zur Verschärfung der amerikanischen
Waffengesetze sei.

Ein Sprecher der etliche Millionen Mitglieder zählenden "National
Rifle Association" (NRA) ließ wissen: "Waffen töten nicht, Menschen
töten!" Folglich bedürfe es keines Waffenverbots, sondern nur eines
Verbots zum missbräuchlichen Gebrauch derselben.

Natürlich sind Mord und Massaker gesetzlich verboten, was aber
nachweislich Mord und Massaker nicht verhindert. Im Gegenteil. In
keinem anderen Land der Welt wird mit Waffen in Privatbesitz so oft
gemordet wie in den USA. Allein im Vorjahr mehr als 14.000 Mal. Auf
dem Schlachtfeld USA starben damit ungleich mehr Amerikaner als in
den Kriegen im Irak und in Afghanistan.

Amerikas Rechte, der Präsident und die NRA berufen sich auf den
Verfassungszusatz, der US-Bürgern angeblich das nahezu unbeschränkte
Recht zur privaten Aufrüstung garantiert. Und sie argumentieren, dass
Kriminelle immer einen Weg zur Waffenbeschaffung finden, und
Beschränkungen des Schusswaffenbesitzes gesetzestreuen Bürgern nur
die Möglichkeit zur Notwehr nehmen würden.

Diese verquere Logik lässt außer Acht, dass die Mehrheit aller von
Kriminellen bei Straftaten eingesetzten Waffen vorher bei ehrbaren
Amerikanern gestohlen worden sind. Und an Nachschub besteht kein
Mangel. US-Bürger horten privat 300 Millionen Schusswaffen.

So bekommt alle Welt den Eindruck, Amerikaner seien unverbesserliche
SchießeisenFreunde mit überholter Pioniermentalität. Aber laut
Umfragen ist die Mehrheit der US-Bürger längst einsichtig und
zumindest von einer Verschärfung der liberalen Waffengesetze
überzeugt. Was fehlt, ist der Mut der Politiker, das Verlangen der
Mehrheit umzusetzen.

Dafür gibt es Gründe. Der wohl ausschlaggebende ist die Macht der
Schusswaffen-Lobby, die Wahlkampfkassen waffenfreundlicher Politiker
mit Millionenspenden auffüllt und Verfechter schärferer Waffengesetze
mit millionenschwerer Anti-Werbung diskriminiert.

Das Ergebnis dieses Kreuzzugs einer verblendeten Minderheit
erschüttert die US-Gesellschaft immer wieder. Wie jetzt beim Massaker
in Virginia. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel