DER STANDARD-Kommentar: Mutti kann’s am besten - von Karin Moser

Ausgabe vom 18.4.07

Wien (OTS) - Da gibt es Experten und dazugehörige Studien, Arbeitskreise, Tagungen, Enqueten. Und alle kommen sie zum gleichen Resultat: Es muss alles getan werden, um Frauen nach der Geburt eines Kindes die Rückkehr zum Arbeitsplatz so einfach wie möglich zu machen. Und da gibt es eine Ministerin, die es sich zum Markenzeichen gemacht hat, Aufbruchstimmung zu vermitteln, unkonventionell zu agieren, praktische Lösungen zu suchen, die nicht nur eigene Parteigänger unterschreiben können. Und trotzdem: Bei der ganz und gar nicht unkonventionellen, sondern längst fälligen und von Experten einhellig geforderten Abschaffung der Zuverdienstgrenze beim Kindergeld kann die ÖVP-Spitze - und mit ihr Andrea Kdolsky - trotz aller Perspektivensucherei nicht mit.
Argumentiert wird das Festhalten an der 14.600-Euro-Grenze damit, dass Frauen bei deren Wegfall nicht so bald wieder in den Beruf einsteigen würden. Wie bitte? Ganz im Gegenteil: Gerade die Zuverdienstgrenze ist für viele Frauen ein Argument, erst gar nicht oder in karrierehinderlichem Ausmaß in den Beruf zurückzukehren. Denn wer die 14.600 überschreitet und damit das Kindergeld verliert, muss erheblich mehr verdienen, um eine externe Kinderbetreuung finanzieren zu können.
Und genau hier wird die Argumentation der ÖVP so scheinheilig. Wenn nämlich das Kinderbetreuungsgeld als das verstanden würde, wie es der Name besagt, müsste es doch legitim sein, damit Betreuung zuzukaufen. De facto wird die Familienleistung aber immer noch als Mutti-Prämie verstanden, denn bei der sind die Kleinen halt immer noch am besten aufgehoben. Schlimmer ist nur noch die SPÖ: Die geriert sich stets als Anwältin der Frauen und schafft es bis heute nicht, sich klar für die Abschaffung der Zuverdienstgrenze auszusprechen.

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