WirtschaftsBlatt Kommentar vom 18. 4. 2007: Doch die im Dunkeln sieht man nicht... - von Peter Muzik

Vielen Betrieben geht es eigentlich ziemlich dreckig

Wien (OTS) - Eine Untersuchung, die der KSV1870 und die KMU Forschung Austria soeben vorgelegt haben, liefert eine beinahe gruselige Überraschung: Während von den insgesamt 270.000 österreichischen Unternehmen rund 13 Prozent zur betriebswirtschaftlichen Elite gezählt werden können, sind immerhin 22 Prozent buchmässig überschuldet und in der Verlustzone. Doch damit nicht genug: Weitere 16 Prozent haben sowohl Finanzierungs- als auch Ertragsprobleme - ihre ohnehin niedrige Eigenkapitalausstattung verschlechtert sich, die Überschuldung nimmt zu, und bei Gewinnen zwischen null und 2,5 Prozent geht real - nach Berücksichtigung der Ertragssteuern und der Inflation - Substanz verloren.

Wenn man dieses Dilemma näher analysiert, so ergibt sich folgendes Bild: Abgesehen von den 22 Prozent, die absolute Problemfälle sind, haben noch 27 Prozent der Unternehmen Ertragsprobleme - sie verfügen zwar über mehr als 10 Prozent Eigenkapital, machen aber zu wenig Gewinn (nämlich maximal 2,5 Prozent der Betriebsleistung) beziehungsweise arbeiten sogar mit Verlust. Und noch einen müssen wir drauflegen: 13 Prozent der Betriebe erwirtschaften zwar ausreichende Gewinne (also mehr als 2,5 Prozent der Betriebsleistung), haben aber zu wenig Eigenkapital (nämlich weniger als zehn Prozent des Gesamtkapitals) oder finanzieren das Betriebsvermögen sogar zur Gänze mit Fremdkapital.

Während die Situation in der Sachgütererzeugung, bei Banken und Versicherungen, in der Energiebranche sowie im sogenannten Realitätenwesen besser aussieht als im österreichischen Durchschnitt, stellt sie sich im Handel, im Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung sowie speziell im Beherbungs- und Gaststättenwesen vergleichsweise schlechter dar. Auch die Baubranche steht nicht gerade glänzend da, was unter anderem der Rekordwert von 626 eröffneten Insolvenzverfahren (2004) und 355 mangels Masse abgewiesene Konkursanträge eindringlich dokumentieren.

Was lernen wir daraus? Während die positive Konjunkturentwicklung fast täglich bejubelt wird und in den Medien laufend wirtschaftliche Erfolgsstorys erzählt werden, geht es einem beträchtlichen Teil der rot-weiss-roten Betriebe ziemlich dreckig. Es mangelt auf breiter Basis an Ressourcen - sprich: einer vernünftigen Eigenkapitalquote -sowie an Attraktivität, womit unzureichende Gewinne vor Steuern gemeint sind. Diese Firmen werden indes kaum wahrgenommen - die im Dunkeln sieht man eben nicht.

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