• 17.04.2007, 09:00:28
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Alpenverein, Umweltdachverband und Kuratorium Wald: Jetzt ist es fix - Isel muss Natura 2000-Gebiet werden!

Wien/Innsbruck (OTS) -
- Engagement von Alpenverein, Umweltdachverband und Kuratorium
Wald von Erfolg gekrönt: Tirol ist jetzt verpflichtet, Isel
nachzunominieren!
- Klage gegen Österreich vor dem EuGH steht unmittelbar bevor

"Die Isel muss jetzt schleunigst in das europaweite
Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 aufgenommen werden", sagt Dr.
Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes, der
gemeinsam mit Alpenverein (OeAV) und Kuratorium Wald schon seit fast
sechs Jahren auf die Nachnominierung eines der bedeutendsten
Hochgebirgsflüsse Europas drängt. "Laut zweiter begründeter
Stellungnahme der Europäischen Kommission vom 21. März 2007 würde
eine Nichtnominierung der Isel eine Vertragsverletzung darstellen.
Damit steht die Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH)
unmittelbar bevor", erläutert Andreas Tschugguel, Sprecher und Natura
2000-Rechtsexperte des Kuratorium Wald. "Österreich und damit Tirol
bleibt nur mehr ein einziger Ausweg, um einer Verurteilung beim EuGH
zu entkommen: Es muss nun die Isel ,freiwillig’ nominieren - und zwar
sofort!", so Tschugguel.

Bedeutende Vorkommen der Deutschen Tamariske seit Jahren belegt

Bereits im Jahr 2002 haben Oesterreichischer Alpenverein,
Umweltdachverband und Kuratorium Wald belegt, dass in Sachen Natura
2000 kein Weg an der Isel vorbeiführt, da an diesem einzigartigen
Wildfluss die bedeutendsten Vorkommen der Deutschen Tamariske
(FFH-Lebensraumtyp 3230) in den österreichischen Zentralalpen
bestehen. Doch diese Beschwerden und Argumente stießen in der Tiroler
Landesregierung auf taube Ohren. 2003 hat dann die Europäische
Kommission einen Nachnominierungsbedarf Österreichs für die Deutsche
Tamariske festgestellt - wieder erfolgte keine Reaktion.
Alpenverein und Umweltdachverband ließen jedoch nicht locker und
beauftragten im Jahr 2005 eine wissenschaftliche Studie über die
österreichweite Verbreitung der "Myricaria germanica", wie die
Deutsche Tamariske in der Fachsprache heißt. Diese Studie belegte:
Die Bestände von Myricaria germanica an der Isel sind die mit Abstand
bedeutendsten entlang eines naturnahen zentralalpinen Fließgewässers
in Österreich. Insgesamt wurde auf 26 Flusskilometern entlang der
Isel zwischen Matrei in Osttirol und Lienz eine Gesamtfläche von 12
ha dieser einzigartigen und absolut zu schützenden Pflanzenart
festgestellt. Fazit der Studie im Jahr 2005: Die Isel ist
potenzielles Natura 2000-Gebiet und daher nachzunominieren! Dennoch:
Das Land Tirol ignorierte jedoch weiterhin die einhellige
wissenschaftliche Auffassung, dass in ganz Österreich keine
vergleichbar bedeutenden Vorkommen der Deutschen Tamariske wie am
Lech und an der Isel bekannt sind.

Tirol wollte sich der Nominierung mit mehr als fragwürdigem Gutachten
entziehen

Im Gegenteil: Mit einem so genannten "Geheimgutachten" wollte sich
das Land Tirol der Natura 2000-Nominierung der Isel entziehen. Es
handelt sich hierbei um das "Gutachten zum Bedarf der Ausweisung der
Isel als Natura 2000 Gebiet vom April 2006" durch das Amt der Tiroler
Landesregierung, Abteilung Umweltschutz (Gutachter: Christian
Plössnig), das der EU-Kommission seitens Tirol vorgelegt wurde. Die
von Mag. Helmut Kudrnovsky im Auftrag von Umweltdachverband und
Alpenverein ausgearbeitete Stellungnahme (April 2007) widerlegt die
Aussagen des "Landesgutachtens" allerdings in nahezu allen Punkten.
"Das Landesgutachten ist nicht nur in weiten Teilen lückenhaft,
sondern beruht auch nachweislich auf falschen Feststellungen und
Tatsachenbehauptungen", sagt Mag. Peter Haßlacher, Leiter der
Abteilung Raumplanung/Naturschutz des OeAV. "Der Landesgutachter
versucht nämlich die europäische Kommission ,in die Irre zu’ führen",
so Heilingbrunner, "indem er in seinem Gutachten angibt, dass das
zirka 1 Hektar große Tamariskenvorkommen am Tiroler Kalserbach -
gelegen unterhalb der Ortschaft Kals am Großglockner - im Tiroler
Anteil des Nationalpark Hohe Tauern liegt". Da bereits dieses
Tamariskenvorkommen wie der gesamte Nationalpark ohnehin bereits
Natura 2000 Status habe, erürbrige sich nach Ansicht des
Landesgutachters Plössnig, die Nominierung der Isel. "Nun dazu ist zu
sagen, dass dieses außerhalb der Isel einzige nennenswerte
Tamarsikenvorkommen am Kalserbach weit außerhalb des Nationalparkes
Hohe Tauern - und somit auch weit außerhalb des bestehenden Natura
2000 Gebietes liegt", so Heilingbrunner.

Tamariske im Nationalparkgebiet Hohe Tauern ausgestorben

Der dramatische Rückgang bzw. das Aussterben der Vorkommen der
Myricaria germanica in Österreich - auch in Nationalparkgebieten, wo
man eigentlich davon ausgehen müsste, dass diese bedrohte Art in
diesen Gebieten absoluten Schutz genießt - ist nämlich eindeutig
belegbar: Im Nationalpark-Gebiet Hohe Tauern - sowohl in Salzburg als
auch in Osttirol - ist die Deutsche Tamariske bereits gänzlich
ausgestorben. Bedeutende Bestände gibt es nur mehr an der Isel in
Osttirol und im Aufweitungsbereich des Kalserbaches unterhalb der
Ortschaft von Kals am Großglockner. All das zeigt: "Fehlende
Managementpläne sowie Schutzmaßnahmen auf landesrechtlicher Grundlage
oder auf freiwilliger Basis können die Verpflichtungen, die für ein
Natura 2000-Gebiet gelten, keineswegs ersetzen. Die Isel gehört
dringend unter Natura 2000-Schutz!", so Heilingbrunner.

Haßlacher: NATURA 2000 für Isel ist Meilenstein für den Naturschutz
in Osttirol

"Wir appellieren an die Tiroler Landesregierung, diese letzte
Chance auf eine freiwillige Nominierung der Isel nun endlich
vorzunehmen. Dieser Fluss ist für das Natura 2000-Netz aus
wissenschaftlicher und naturschutzfachlicher Sicht ein unersetzliches
Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung", so Heilingbrunner,
Haßlacher und Tschugguel unisono. Ansonsten wird mit Sicherheit die
Nachnominierung per Gerichtsentscheid durch den europäischen
Gerichtshof exekutiert, kein Ruhmesblatt für das Land Tirol und die
Republik Österreich.

"Neben der Aufgabe des Großspeicherkraftwerks im Dorfertal und der
Entscheidung für den Nationalpark Hohe Tauern in Tirol ist die
unausweichliche Natura 2000-Nominierung der Isel und das zukünftige
Natura 2000-Gebiet Isel der dritte Naturschutzmeilenstein in der
osttiroler Iselregion", stellt Mag. Peter Haßlacher vom Alpenverein
abschließend fest.

Rückfragehinweis:

Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident Umweltdachverband (UWD), 
   Tel. 0664/381 84 62,
   Mag. Peter Haßlacher, Oesterreichischer Alpenverein (OeAV), 
   Tel. 0664/8556427, 
   Andreas Tschugguel, Sprecher und Natura 2000-Rechtsexperte des 
   Kuratorium Wald, Tel. 406 59 38,
   Dr. Sylvia Steinbauer, Öffentlichkeitsarbeit UWD, 
   E-Mail: Sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at, 
   http://www.umweltdachverband.at

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