Alpenverein, Umweltdachverband und Kuratorium Wald: Jetzt ist es fix - Isel muss Natura 2000-Gebiet werden!

Wien/Innsbruck (OTS) -

  • Engagement von Alpenverein, Umweltdachverband und Kuratorium Wald von Erfolg gekrönt: Tirol ist jetzt verpflichtet, Isel nachzunominieren!
  • Klage gegen Österreich vor dem EuGH steht unmittelbar bevor

"Die Isel muss jetzt schleunigst in das europaweite Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 aufgenommen werden", sagt Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes, der gemeinsam mit Alpenverein (OeAV) und Kuratorium Wald schon seit fast sechs Jahren auf die Nachnominierung eines der bedeutendsten Hochgebirgsflüsse Europas drängt. "Laut zweiter begründeter Stellungnahme der Europäischen Kommission vom 21. März 2007 würde eine Nichtnominierung der Isel eine Vertragsverletzung darstellen. Damit steht die Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) unmittelbar bevor", erläutert Andreas Tschugguel, Sprecher und Natura 2000-Rechtsexperte des Kuratorium Wald. "Österreich und damit Tirol bleibt nur mehr ein einziger Ausweg, um einer Verurteilung beim EuGH zu entkommen: Es muss nun die Isel ,freiwillig’ nominieren - und zwar sofort!", so Tschugguel.

Bedeutende Vorkommen der Deutschen Tamariske seit Jahren belegt

Bereits im Jahr 2002 haben Oesterreichischer Alpenverein, Umweltdachverband und Kuratorium Wald belegt, dass in Sachen Natura 2000 kein Weg an der Isel vorbeiführt, da an diesem einzigartigen Wildfluss die bedeutendsten Vorkommen der Deutschen Tamariske (FFH-Lebensraumtyp 3230) in den österreichischen Zentralalpen bestehen. Doch diese Beschwerden und Argumente stießen in der Tiroler Landesregierung auf taube Ohren. 2003 hat dann die Europäische Kommission einen Nachnominierungsbedarf Österreichs für die Deutsche Tamariske festgestellt - wieder erfolgte keine Reaktion.
Alpenverein und Umweltdachverband ließen jedoch nicht locker und beauftragten im Jahr 2005 eine wissenschaftliche Studie über die österreichweite Verbreitung der "Myricaria germanica", wie die Deutsche Tamariske in der Fachsprache heißt. Diese Studie belegte:
Die Bestände von Myricaria germanica an der Isel sind die mit Abstand bedeutendsten entlang eines naturnahen zentralalpinen Fließgewässers in Österreich. Insgesamt wurde auf 26 Flusskilometern entlang der Isel zwischen Matrei in Osttirol und Lienz eine Gesamtfläche von 12 ha dieser einzigartigen und absolut zu schützenden Pflanzenart festgestellt. Fazit der Studie im Jahr 2005: Die Isel ist potenzielles Natura 2000-Gebiet und daher nachzunominieren! Dennoch:
Das Land Tirol ignorierte jedoch weiterhin die einhellige wissenschaftliche Auffassung, dass in ganz Österreich keine vergleichbar bedeutenden Vorkommen der Deutschen Tamariske wie am Lech und an der Isel bekannt sind.

Tirol wollte sich der Nominierung mit mehr als fragwürdigem Gutachten entziehen

Im Gegenteil: Mit einem so genannten "Geheimgutachten" wollte sich das Land Tirol der Natura 2000-Nominierung der Isel entziehen. Es handelt sich hierbei um das "Gutachten zum Bedarf der Ausweisung der Isel als Natura 2000 Gebiet vom April 2006" durch das Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Umweltschutz (Gutachter: Christian Plössnig), das der EU-Kommission seitens Tirol vorgelegt wurde. Die von Mag. Helmut Kudrnovsky im Auftrag von Umweltdachverband und Alpenverein ausgearbeitete Stellungnahme (April 2007) widerlegt die Aussagen des "Landesgutachtens" allerdings in nahezu allen Punkten. "Das Landesgutachten ist nicht nur in weiten Teilen lückenhaft, sondern beruht auch nachweislich auf falschen Feststellungen und Tatsachenbehauptungen", sagt Mag. Peter Haßlacher, Leiter der Abteilung Raumplanung/Naturschutz des OeAV. "Der Landesgutachter versucht nämlich die europäische Kommission ,in die Irre zu’ führen", so Heilingbrunner, "indem er in seinem Gutachten angibt, dass das zirka 1 Hektar große Tamariskenvorkommen am Tiroler Kalserbach -gelegen unterhalb der Ortschaft Kals am Großglockner - im Tiroler Anteil des Nationalpark Hohe Tauern liegt". Da bereits dieses Tamariskenvorkommen wie der gesamte Nationalpark ohnehin bereits Natura 2000 Status habe, erürbrige sich nach Ansicht des Landesgutachters Plössnig, die Nominierung der Isel. "Nun dazu ist zu sagen, dass dieses außerhalb der Isel einzige nennenswerte Tamarsikenvorkommen am Kalserbach weit außerhalb des Nationalparkes Hohe Tauern - und somit auch weit außerhalb des bestehenden Natura 2000 Gebietes liegt", so Heilingbrunner.

Tamariske im Nationalparkgebiet Hohe Tauern ausgestorben

Der dramatische Rückgang bzw. das Aussterben der Vorkommen der Myricaria germanica in Österreich - auch in Nationalparkgebieten, wo man eigentlich davon ausgehen müsste, dass diese bedrohte Art in diesen Gebieten absoluten Schutz genießt - ist nämlich eindeutig belegbar: Im Nationalpark-Gebiet Hohe Tauern - sowohl in Salzburg als auch in Osttirol - ist die Deutsche Tamariske bereits gänzlich ausgestorben. Bedeutende Bestände gibt es nur mehr an der Isel in Osttirol und im Aufweitungsbereich des Kalserbaches unterhalb der Ortschaft von Kals am Großglockner. All das zeigt: "Fehlende Managementpläne sowie Schutzmaßnahmen auf landesrechtlicher Grundlage oder auf freiwilliger Basis können die Verpflichtungen, die für ein Natura 2000-Gebiet gelten, keineswegs ersetzen. Die Isel gehört dringend unter Natura 2000-Schutz!", so Heilingbrunner.

Haßlacher: NATURA 2000 für Isel ist Meilenstein für den Naturschutz in Osttirol

"Wir appellieren an die Tiroler Landesregierung, diese letzte Chance auf eine freiwillige Nominierung der Isel nun endlich vorzunehmen. Dieser Fluss ist für das Natura 2000-Netz aus wissenschaftlicher und naturschutzfachlicher Sicht ein unersetzliches Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung", so Heilingbrunner, Haßlacher und Tschugguel unisono. Ansonsten wird mit Sicherheit die Nachnominierung per Gerichtsentscheid durch den europäischen Gerichtshof exekutiert, kein Ruhmesblatt für das Land Tirol und die Republik Österreich.

"Neben der Aufgabe des Großspeicherkraftwerks im Dorfertal und der Entscheidung für den Nationalpark Hohe Tauern in Tirol ist die unausweichliche Natura 2000-Nominierung der Isel und das zukünftige Natura 2000-Gebiet Isel der dritte Naturschutzmeilenstein in der osttiroler Iselregion", stellt Mag. Peter Haßlacher vom Alpenverein abschließend fest.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident Umweltdachverband (UWD),
Tel. 0664/381 84 62,
Mag. Peter Haßlacher, Oesterreichischer Alpenverein (OeAV),
Tel. 0664/8556427,
Andreas Tschugguel, Sprecher und Natura 2000-Rechtsexperte des
Kuratorium Wald, Tel. 406 59 38,
Dr. Sylvia Steinbauer, Öffentlichkeitsarbeit UWD,
E-Mail: Sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at,
http://www.umweltdachverband.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OGN0001