WirtschaftsBlatt Kommentar vom 17. 4. 2007: Ferdinand Piëch vor dem Coup seines Lebens - von Peter Muzik

Ein Weltkonzern mit rot-weiss-rotem Anstrich entsteht

Wien (OTS) - Geburtstage - und mögen sie noch so runde sein - sind im WirtschaftsBlatt normalerweise nicht Gegenstand der Berichterstattung. Die berühmte Ausnahme von dieser Regel schafft man nur extrem selten - wenn man beispielsweise Ferdinand K. Piëch heisst und 70 Jahre alt wird. Immerhin zählt dieser Mann, Enkel des Gründers der Sportwagenschmiede Porsche, zu den weltweit bedeutendsten Automanagern bzw. -konstrukteuren. Und er ist drauf und dran, den Coup seines Lebens zu realisieren. Der Aufsichtsratspräsident des VW-Konzerns wird sich auf der übermorgen im Congress Centrum Hamburg stattfindenden Hauptversammlung nicht nur als graue Eminenz behaupten, sondern in Zukunft eine noch wichtigere Rolle übernehmen.

Schon jetzt halten die Familien Piëch und Porsche, und das erfüllt uns naturgemäss mit der gebührenden patriotischen Genugtuung, mehr als 30 Prozent der VW-Aktien. Als grösste Anteilseigner vor dem Land Niedersachsen, das zehn Prozent weniger hält, zeigen sie deutliche Ambitionen, ihren Anteil an VW zumindest auf 49,9 Prozent aufzustocken. Damit wird der David Porsche (Umsatz 2006: 7,3 Milliarden Euro) den Goliath VW (Umsatz 2006: 105 Milliarden Euro) fest im Griff haben, und unter der familiären Obhut des Porsche/ Piëch-Clans, den wir ja gerne als rot-weiss-roten einzugemeinden pflegen, würden noch MAN und Scania hinzukommen, womit man auf Augenhöhe mit den Top-Playern General Motors und Toyota wäre.

Der Traum des grossen Visionärs Ferdinand Piëch, eine von seiner Grossfamilie kontrollierte weltweite Auto-AG auf die Beine zu stellen, ist längst keine Träumerei mehr: Piëch, am 17. April 1937 in Wien geboren, hat schliesslich immer seine Ziele erreicht, nachdem er 1963 bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen als Sachbearbeiter in der Versuchsabteilung begann. Er wechselte 1972 zu Audi NSU nach Ingolstadt, wo er drei Jahre später in den Vorstand berufen wurde. Ab 1988 fungierte Piëch als Vorstandsvorsitzender der Volkswagen-Tochter Audi AG. 1992 wurde er in den Vorstand der damals krisengebeutelten Volkswagen AG berufen, ab 1. Jänner 1993 agierte er für fast ein Jahrzehnt als Vorstandsboss des deutschen Autokonzerns.

Ferdinand Piëch, wohl der erfolgreichste aller Auslandsösterreicher, ist kein bisschen amtsmüde. Er wird seinen Landsleuten in absehbarer Zeit das bescheren, was diese bislang nicht hatten: einen international tätigen Weltkonzern mit rot-weiss-rotem Anstrich. Viel Glück und Happy Birthday zum 70-er!

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