"KURIER"-Kommentar von Reinhard Göweil: "Stärke statt Recht"

Dass sich die Bawag nun US-Gepflogenheiten unterwirft, ist ungeheuerlich.

Wien (OTS) - Jene US-Bestimmung, die nun kubanische Bürger und iranische Unternehmen aus der Kundenliste der Bawag entfernt, hat schon in den USA selbst zu skurrilen Situationen geführt. So bekam ein US-Bürger, 1949 in Detroit geboren, keinen Kredit, weil dessen zweiter Vorname "Hassan" als Synonym für Saddam Husseins verschwundenen Sohn auf der fraglichen OFAC-Liste auftaucht. Dass sich die Bawag als österreichisches Unternehmen diesem menschenunwürdigem Treiben anschließt, nur weil die Bank US-Eigentümer hat, ist skandalös. Es gilt ab sofort das Recht des Stärkeren, und nicht länger der Rechtsstaat.
Die Bedenklichkeit der Bawag-Vorgangsweise (wo bleibt der Aufschrei des Verkäufers ÖGB?) ist aber noch viel größer:
Offensichtlich haben Abteilungen des amerikanischen Finanzministeriums detaillierten Einblick in die Kundenbeziehungen der Bawag. Und morgen werden vielleicht alle Namen mit einer ...vic-Endung von verrückt gewordenen US-Antiterrorbürokraten auf die Liste gesetzt. Was dann? Halb Wien das Konto kündigen?
Der US-Fonds Cerberus hat mit seiner Loyalität zur Bush-Administration (Cerberus-Präsident Snow ist ehemaliger US-Finanzminister) der Bawag einen Bärendienst erwiesen, der sie erneut Kunden kosten wird. Von den investierten 3,2 Milliarden Euro gar nicht zu reden.
reinhard.goeweil

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