Der Hype ist zuwenig

Das neue ORF-Programmschema am Prüfstand Peter Danich

Wien (OTS) - Seit vergangenen Dienstag ist das neue Programmschema des ORF auf Sendung. Mehr als siebzig Formate wurden neu entwickelt, überarbeitet oder zumindest mit einem besseren Sendeplatz ausgestattet. Und vor allem wurde die Reform in einer bisher nicht dagewesenen Weise beworben. Ein Medienhype der Sonderklasse, so weitgehend, dass Ö3 sogar Platz fand, die Meinung der Kinder von Generaldirektor Wrabetz zum neuen ORF-Programmschema publikumsgerecht anzupreisen.

Es wäre traurig, gäbe es bei einer "Reform" wie dieser keine Verbesserungen. Ob die Reform allerdings geeignet ist, das öffentlich-rechtliche Profil des ORF zu stärken, darf bezweifelt werden. Ein erster Befund der Reform ist jedenfalls, dass die im wesentlichen unter Zeiler begonnene Abgrenzung zwischen ORF1 und ORF2 noch deutlicher geworden ist. Erst vor kurzem hat eine von der RTR beauftragte Studie der Universität Salzburg in dieselbe Richtung gewiesen. Im umfassenden inhaltsanalytischen Vergleich der Programme deutscher Fernsehstationen war ORF 2 als eindeutig öffentlich-rechtliches Programm zu erkennen. ORF1 dagegen sei ähnlich einem Privatsender gestaltet. Der Verzicht auf die zugegebenermaßen zwangsbeglückende Durchschaltung der ZiB versetzt die Seher/in in die Lage, es sich aussuchen zu können: mehr öffentlich-rechtliche oder mehr private Programmierung. Das birgt einiges an Sprengkraft für zukünftig vielleicht im europäischen Kontext zu führende Gebührendiskussionen.

Klar ist: Der ORF muss sich von einem privaten Sender unterscheiden. Das erfordert mehr Raum für Identitätsstiftendes, für Eigenproduktionen und nicht zuletzt für eine europäische Berichterstattung, die Los Angeles nicht näher erscheinen lässt als die Hauptstädte so mancher EU-Mitgliedsländer. Ein solches "Drehbuch" wird wohl notwendig sein, um den ORF mit seiner Gebührenhoheit langfristig zu sichern. Viel ist davon im "neuen" ORF leider nicht zu sehen.

Lesen Sie mehr unter www.modernpolitics.at

Rückfragen & Kontakt:

Politische Akademie der ÖVP
Dr. Christian Moser
Tel.: 00431-81420-19
c.moser@modernpolitics.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PAO0001