Schüssel-Frage erzeugt Zwist in der Koalition.

SPÖ will die Ablöse des ÖVP-Klubchefs beim Parteitag - Die ÖVP wittert die Ablöse Gusenbauers als SPÖ-Vorsitzender.

Wien (OTS) - Knapp zwei Wochen vor dem Bundesparteitag der ÖVP,
bei dem Wilhelm Molterer von Kanzler a.D., Wolfgang Schüssel die neue Parteiobmannschaft übernimmt, bahnt sich in der Koalitionsregierung eine handfeste Auseinandersetzung zwischen SPÖ und ÖVP um die künftige politische Rolle von Klub-Chef Schüssel an. Die Frage, an der sich der Konflikt zu entzünden scheint: Bleibt Wolfgang Schüssel auch nach dem Parteitag weiter Klubobmann des ÖVP-Nationalratsklubs oder nicht?

Die SPÖ will, dass Schüssel in dieser Funktion ersetzt wird. Als einer der ersten SPÖ-Granden machte Steiermarks Landeshauptmann Franz Voves im Gespräch mit NEWS aus seinem Herzen keine Mördeergrube:
"Wenn er weiter Klubchef bleibt, werden sich unsere bundespolitisch Verantwortlichen sicher sehr überlegen müssen, wie sie es dann selbst anlegen, wie sich dann die Situation darstellt. Das wird im Sommer zu beurteilen sein. Dann muss sich die SPÖ im Herbst strategisch allfällig neu positionieren. Bleibt Schüssel,
stellt sich die Frage: "Wer zieht eigentlich die ÖVP-Fäden?", so Voves, der auch sagt, dass die SPÖ und Gusenbauer drauf schauen müssten, "wie läuft das mit der ÖVP ab 21. April. Oder müssen wir dann doch andere Wege gehen?"

ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon lässt Zweifel daran, dass Wolfgang Schüssel auch nach dem Parteitag Klubchef bleibt: "Schüssel ist mit seiner Erfahrung für uns natürlich Goldes wert im Parlament," diese personelle Frage gehe die SPÖ überhaupt nichts an. Missethon schlägt zugleich auf die SPÖ zurück, indem er von einer Funktionstrennung bei der Kanzlerpartei wisse: Er, Missethon, habe dementsprechende Indizien und sehe ein Szenario heraufdämmern, "dass die SPÖ über kurz oder lang die Funktion des Bundeskanzlers von der des Parteivorsitzenden trennt. Also eine Schröder-Müntefering-Variante wie einst in Berlin." Und nennt Sozialminister Buchinger sowie die Landeshauptleute Burgstaller und Häupl als mögliche neu SPÖ-Chefs, Alfred Gusenbauer bleibe dabei natürlich Bundeskanzler. Der ÖVP seien alle Entscheidungen bei der SPÖ recht, solange ein neuer Parteivorsitzender nicht den ausgehandelten Regierungspakt aufschnüre, denn "das wäre dann der Koalitionsbruch."

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