Wirkung wirtschaftspolitischer Maßnahmen zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung

Wien (WIFO) - Die Simulation von ausgewählten Maßnahmen, wie sie das WIFO in seinem Weißbuch "Wachstum und Beschäftigung in Österreich" vorschlägt, erlaubt eine Einschätzung und damit auch einen Vergleich ihrer Wirksamkeit. Generell ergeben demnach die vorgeschlagenen ausgabenseitigen Maßnahmen (Steigerung der Forschungsausgaben, Qualifikationsoffensive und Infrastrukturinvestitionen) kurzfristig rund doppelt so hohe Effekte bezüglich BIP und Beschäftigung wie die einnahmeseitigen Eingriffe (Senkung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen). Eine Senkung der Lohnsteuer oder der Sozialversicherungsbeiträge hat kurz- und langfristig die stärksten Beschäftigungseffekte und dämpft die Arbeitslosenquote.

Weil die kurzfristigen Auswirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen stark von den langfristigen Auswirkungen abweichen können, stützt sich die WIFO-Untersuchung auf zwei Modelle des WIFO: das Kurzfristmodell WIFO-Macromod und das Langfristmodell Austrian Long-run Macroeconomic Model. Die kurzfristigen Ergebnisse sind stärker vom empirischen Zusammenhang zwischen dem wirtschaftspolitischen Impuls und der österreichischen Wirtschaft geprägt, während die langfristigen Ergebnisse langfristige Gleichgewichtsbedingungen vollständig berücksichtigen.

Insgesamt wurden sieben wirtschaftspolitische Strategien untersucht, von denen zwei explizit das langfristige Wirtschaftswachstum beeinflussen sollen: die Steigerung der öffentlichen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung und die Intensivierung der Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. Die weiteren Maßnahmen umfassen die Ausweitung der öffentlichen Infrastrukturinvestitionen und die Senkung der Lohn-, Körperschaft-und Umsatzsteuer bzw. der Sozialversicherungsbeiträge. Der Aufwand wird für die Schätzung mit zusätzlichen Ausgaben von jeweils 1 Mrd. Euro zu laufenden Preisen normiert, das entspricht 0,4% des nominellen BIP im Jahr 2006.

Generell ergeben die drei ausgabenseitigen Maßnahmen (Steigerung der Forschungsausgaben, Verbesserung der Qualifikation, Ausweitung der Infrastrukturinvestitionen) kurzfristig rund doppelt so hohe Effekte bezüglich BIP und Beschäftigung wie die vier einnahmeseitigen Eingriffe (Senkung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen). Eine Senkung der Lohnsteuer oder der Sozialversicherungsbeiträge hat kurz- und langfristig die stärksten Beschäftigungseffekte und dämpft die Arbeitslosenquote (Übersicht 1).

Übersicht 1: Ergebnisse der Modellsimulationen zu ausgewählten Maßnahmen aus dem WIFO-Weißbuch - auf der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/presse)

Im Einklang mit der endogenen Wachstumstheorie hat eine Ausweitung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie für Bildung, sofern die Erosion des Realwertes der Zusatzmaßnahmen durch Inflation ausgeglichen wird, einen anhaltenden Effekt auf die Wachstumsrate des Potential Output. Sie hat langfristig auch die größten Beschäftigungseffekte. Die Aufwandsteigerung geht mit einer kurzfristigen Verschlechterung des Finanzierungssaldos des Staates von 0,1% bis 0,3% des nominellen BIP einher und beeinträchtigt somit nicht die Ziele des Stabilitäts- und Wachstumspaktes.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 3/2007 und der folgenden WIFO-Studie: Serguei Kaniovski, Fritz Breuss, Thomas Url, WIFO-Weißbuch: Mehr Beschäftigung durch Wachstum auf Basis von Innovation und Qualifikation. Teilstudie 22:
Modellsimulationen ausgewählter wirtschaftspolitischer Maßnahmen (43 Seiten, 40,00 Euro, Download 32,00 Euro:
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=27461&typeid=
8&display_mode=2)!

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Univ.-Prof. Dr. Fritz Breuss, Mag. Dr. Serguei Kaniovski,
Dr. Thomas Url
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