"Kleine Zeitung" Kommentar: "Firmen fehlen die Fachkräfte Jammern allein ist zu wenig" (Von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 03.04.2007

Graz (OTS) - Der frühere Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, jetzt Klubobmann der ÖVP im Parlament, wird sich giften: Jahrelang hat er sich mit seiner schwarz-blauen, später schwarz-orangen Regierung bemüht, die Arbeitslosenzahlen zu senken. Ohne Erfolg. Jetzt ist ein anderer am Ruder und die Arbeitslosigkeit fällt von Monat zu Monat. Alfred Gusenbauer erntet, auch wenn er keine Saat ausgebracht hat.

So gut war die Entwicklung im heimischen Arbeitsmarkt seit Jahren nicht mehr. Im letzten halben Jahr ist die Arbeitslosigkeit rapide zurückgegangen, monatlich meist mit zweistelligem Prozentsatz, zuletzt im März um 12,5 Prozent. Dafür gibt es einen handfesten Grund, die starke Konjunktur. Die Auftragsbücher der Firmen sind gefüllt, die gute Auslastung schafft Arbeit, in den Konzernen wie bei kleinen Unternehmen. Die Betriebe brauchen zusätzliche Arbeitskräfte.

Dazu kommt der milde Winter. In der für den Arbeitsmarkt wichtigen Baubranche wurden rund 10.000 Mitarbeiter durchgehend weiter beschäftigt, die in kalten Wintern gekündigt werden. Noch ein Faktum wirkt sich auf die Arbeitslosenstatistik aus die Zahl der Einmannunternehmen hat stark zugenommen. Unter ihnen sind nicht wenige, die einen Versuch gewagt haben: Lieber mit der eigenen Firma Geld verdienen, als arbeitslos sein. In der Steiermark gibt es 24.000, in Kärnten 11.000 solcher Betriebe.

Dass auf der anderen Seite die Zahl der Arbeitnehmer auf fast 3,2 Millionen geklettert ist, sollte man nicht überbewerten. Ein Großteil davon sind Teilzeitjobs. Und auch Leiharbeiter, die bei Auftragsmangel wieder rasch abgebaut werden.

Die sinkende Arbeitslosigkeit wird für die Unternehmen aber langsam zum Problem. Auf dem Arbeitsmarkt sind kaum noch qualifizierte Facharbeiter verfügbar. Jeder zweite beim AMS registrierte Arbeitslose hat keine Ausbildung, ist für viele offene Stellen ungeeignet, jammern die Firmen.

Die Wirtschaft ruft immer lauter nach einer Öffnung der Grenzen, für Facharbeiter aus den neuen EU-Ländern im Osten und Südosten soll die Zuwanderung erleichtert werden. Das ist kurzfristig praktikabel, aber auf Dauer keine Lösung des eigentlichen Problems.

Nur die Betriebe können die Situation ändern, indem sie wieder mehr in die Ausbildung und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren. Unternehmen benötigen aufgeschlossene und flexible Beschäftigte, die bereit sind, sich rasch auf Veränderungen einzustellen dann brauchen sie keine Angst zu haben, arbeitslos auf der Straße zu stehen.****

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