"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Fußball im Tief" (Von Hubert Winklbauer)

Ausgabe vom 2. April 2007

Innsbruck (OTS) - Das Wort Kasperltheater ist für das, was im rotweißroten Fußball derzeit so abläuft, schon so etwas wie eine sprachliche Camouflage. Quasi Tarnung eines Irrwitzes. Unser Fußball verdribbelt sich nicht nur gegen die internationale Konkurrenz, sondern auch gegen die Anständigkeit. Dass der GAK und Sturm Graz dreist, massiv und ohne Rücksicht auf sportliche Fairness gegen die Lizenzierungsbestimmungen der Bundesliga verstoßen haben, ist nur Teil beispielloser Negativschlagzeilen: Punkteabzüge, Punkterückerstattungen, Insolvenzen, Klagen und Fan-Ausschreitungen.

Dass wir dabei eine europäische Ausnahmestellung einnehmen, müssen wir aber nicht glauben. Die Bestechungs- und Wettskandale des deutschen Fußballs, die Korruption des italienischen, die wirtschaftlichen Probleme des schweizerischen sollen unsere Schuld nicht mindern. Nur darauf hinweisen, dass die große Gier dem großen Fußballgeschäft immanent ist. Und nicht ausschließlich der österreichischen Seele.

Verleugnen können wir aber nicht, dass das angepeilte "Verscherbeln" der Paschinger Fußball-Lizenz an den FC Kärnten ein europaweites Novum ist. Aber dies soll wenigstens statutenkonform sein. Und vielleicht sogar jenen Sinn machen, dass sich das Klagenfurter EM-Stadion über die drei EM-Spiele hinaus rechnet.

Wie es im rotweißroten Fußball in naher Zukunft weitergehen wird, werden wohl die Gerichte entscheiden. Dass der GAK und Sturm Graz für ihre Lizenzierungsverstöße von der bundesligainternen Gerichtsbarkeit mit Punkteabzügen sanktioniert worden waren, ist Faktum. Was neu ist:
Wegen eines laufenden Insolvenzverfahrens vermischt sich die Sportsgerichtsbarkeit mit dem eines "ordentlichen" Gerichtes. Aber wer an Österreich als Rechtsstaat glaubt, wird auch daran glauben, dass der den Fußball in den Griff bekommt.

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