Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: "Mittelstand" - eine Schimäre (von M. Geistler-Quendler)

Ausgabe 31. März 2007

Klagenfurt (OTS) - Kabarettreife Szenen im Parlament haben ihren Reiz, vor allem wenn es um eine so trockene Materie wie das Doppelbudget 2007/2008 geht. Doch in die schlagfertige Rhetorik der Parteien schleicht sich nicht zum ersten Mal ein Wort, das jeden Durchblick vernebelt: "Mittelstand".
W"er ist "Mittelstand", und wie hoch ist das von den Parteien angenommene Einkommen, das einen Menschen oder einen Haushalt dazu macht, tatsächlich? Geht man von einem Brutto- oder Nettogehalt aus, rechnet man in Monaten oder Jahren, zählen die doppelten und dreifachen Bezüge dazu, werden Gehaltssprünge der Beamten einkalkuliert? Vermögen einmal nicht, und die "Incentives" (Synonym für außergehaltsmäßige "Zuckerln")? Die zählen auch nicht.
Wie weit darf die Einkommensspanne sein, die Mittelstand definiert? SPÖ-Finanzsprecher Matznetter meinte kürzlich, 2- bis 4000 Euro. Egal welche Berechnung man nimmt: wer hat denn 4000 Euro Einkommen? Niemand, der am Hungertuch nagt, aber jemand mit Kraft zu kaufen. Nur, entlastet müssten jene werden, die sich fürs Kaufen in Schulden stürzen müssen. Daher ist eine Verdoppelung der Steuergutschrift ("Negativsteuer") für die Kleinsteinkommen der Ansatz, um jenen Mittelstand auf die Beine zu bringen, der noch keiner ist - in der Definition jener, die über ihn entscheiden.

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