"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wie eine böse Burleske die kollektive Psyche gefährdet" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 31.03.2007

Graz (OTS) - Vor einigen Jahren erhängte sich ein österreichischer Gastwirt während einer Steuerprüfung. Die Boten des Fiskus hatten ihren Job sehr genau genommen und die Bilanz des Gastronomen so detailliert untersucht, dass dieser die Nerven verlor.

Ein tragischer Fall, in welchem man mit Schuldzuweisungen vorsichtig sein sollte. Aber einer, der zeigt, wie rigide der Staat sein kann. Speziell, wenn er den so genannten kleinen Bürger ins Visier nimmt.

Die größeren Kaliber scheinen indes eher ungefährdet: Man erinnere sich an einen Finanzminister, dem die Industriellenvereinigung (im Umweg über einen Verein) 240.000 Euro zusteckte, die angeblich ausschließlich die Kosten einer Homepage deckten.

Experten waren sich damals einig, dass der tatsächliche Wert der Homepage maximal 20.000 Euro betrug, was mit dem restlichen Geld geschah, wurde nie geklärt. Weil außer der Presse und der Opposition niemand danach fragte.

Und nun ist da Frau Erika Rumpold, Chefin einer Zwei-Personen-Agentur, die uns in ein Tag für Tag grimmiger werdendes Erstaunen versetzt. 6,6 Millionen Euro hatten ihr die spendablen Waffenhändler von EADS genehmigt, um guten Wind für die Eurofighter zu machen. 3,6 davon sollen übrigens erst zwei Wochen vor der geplanten Typenentscheidung nachgeschossen worden sein. Wofür?

Mit den anmutigsten Absurditäten hat Frau Rumpold den Verbleib des Geldes zu erklären versucht: Etwa mit einer Pressekonferenz, die 96.000 Euro gekostet haben soll.

Oder mit all den teuren Treffen mit Landeshauptleuten, die sich aber an kein Treffen erinnern können.

Vor Gericht sagte Frau Rumpold nun aus, allein als Honorar 3,2 Millionen Euro erhalten zu haben. Für geschätzte 170 Arbeitstage. Das hieße, dass den Auftraggebern ein Arbeitstag der Kleinagentur rund 18.000 Euro wert gewesen wäre. - Entweder gehörten damit Frau Rumpold ins Buch der Rekorde oder ihre Geldgeber zurück ins Wirtschaftsseminar.

Ohne jede Vorverurteilung sei gesagt, dass dies alles nach einer bösen Burleske aussieht. Man möchte glatt meinen, die einen würden gerichtet, während andere es sich richten können.

Das alles hätte verheerende Auswirkungen auf die kollektive Psyche und würde zu einer Verwilderung der Sitten und inneren Anarchie führen.

Der Rechtsstaat sollte hier seine Untersuchungs-Möglichkeiten bis an die äußersten Grenzen nutzen. Alle, die (noch) an ihn glauben, haben das verdient. ****

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