Landau: "Ein allgemeines Bettelverbot löst keine Probleme!"

Die Armut bekämpfen, nicht die Armen!

Wien (OTS) - "Betteln ist die sichtbarste Form der Armut, niemand bettelt ohne Grund!" Mit diesen Worten reagiert Caritasdirektor auf das wiederholt geforderte Bettelverbot. "Wir müssen die Ursachen der Armut bekämpfen! Ein Bettelverbot macht die Betroffenen ein zweites Mal zu Opfern", so Landau.

"Die Caritas wird häufig gebeten, Empfehlungen abzugeben, wie sozial engagierte BürgerInnen sich in der Begegnung mit bettelnden Menschen verhalten sollen", sagt Landau. "Wir müssen die Anfragenden enttäuschen: Wir wollen und können diesbezüglich nichts empfehlen, weil es keine einfache Antwort auf komplexe Wirklichkeiten gibt." Ob und wie viel jemand einem Menschen auf der Straße gibt, der Hilfe braucht, muss jeder individuell für sich entscheiden.

Selbstverständlich stellen Spenden an BettlerInnen keine nachhaltige Form der Armutsbekämpfung dar. Gleichzeitig gilt, dass niemand ohne Grund bettelt: Wer durch Betteln seine Mittellosigkeit sichtbar macht, wer sich so selbst auf die unterste Stufe in der gesellschaftlichen Hierarchie stellt, befindet sich in einer akuten Notlage.

Die Caritas der Erzdiözese Wien bemüht sich so wie andere Organisationen auch, Angebote für diese Menschen zu stellen: "Wir betreiben zwei Essensbusse, die täglich warme Suppe an alle ausgeben, die Hunger haben. Ein anderer Bus bietet Menschen ohne Krankenversicherung medizinische Hilfe an. Im Caritas-Betreuungszentrum Gruft werden ebenfalls täglich zwei warme Mahlzeiten ausgegeben und dort können nachts jene schlafen, die keine andere Unterkunft haben, wobei sich das Angebot aus Platzgründen auf österreichische StaatsbürgerInnen beschränken muss", schildert Landau das aktuelle Caritas-Angebot.

"Wir verstehen diese Hilfe als Notfallhilfe", so Landau. "Sie ist dringend notwendig. Was wir aber nicht für alle leisten können, ist flächendeckende Hilfe. Und vor allem: das Abrutschen dieser Menschen in akute Armut schon im Vorfeld zu verhindern. Das ist und bleibt eine gesellschaftliche Aufgabe, und damit ganz wesentlich eine Aufgabe des Staates! Ein funktionierender Sozialstaat ist kein Auslaufmodell, sondern auch für die Zukunft wichtig."

Die große Zahl an bettelnden Menschen aus den neuen Beitrittsländern zeigt, dass auch der Blick über den Tellerrand notwendig ist. "Die EU muss sich zu einer Sozialunion weiterentwickeln, in der es soziale Mindeststandards für alle gibt. Das freie Spiel der Marktkräfte alleine wird nicht dafür sorgen", so Landau. Wenn die Not von Menschen von kriminellen Banden ausgenützt werde,
sei das nicht zu akzeptieren, aber auch hier gelte: Die Armut bekämpfen, nicht die Armen!

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Mag.a Doris Becker
Pressesprecherin Caritas der Erzdiözese Wien
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