Straubinger: "Wien unterstützt Prostituierte offensiv mit umfassender Beratung für bessere Lebensbedingungen"

Wien (SPW-K) - Anlässlich der heute Freitag in der Fragestunde
des Wiener Landtag geführten Debatte zum Thema Asylwerberinnen und Prostitution betonte SP-Gemeinderätin Mag. Sybille Straubinger, dass die grundsätzliche Problematik darin bestehe, dass Asylwerberinnen keinen Zugang zum Arbeitsmarkt hätten. "In der Regel ist Prostitution keine freiwillige , sondern durch die wirtschaftlichen Lebensumstände erzwungen. Der Zugang zum Arbeitsmarkt brächte einen deutlichen Rückgang der Bereitschaft, sich als Prostituierte Geld zu verdienen."

Als ersten Schritt in Richtung Öffnung des Arbeitsmarktes könnten AsylwerberInnen für kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse zugelassen werden, statt zusätzliche Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland zu holen. Wien habe beim Wirtschaftsministerium bereits eine entsprechende Anregung deponieret, stellte Straubinger klar. Ein Verbot der Prostitution für AsylwerberInnen verfehle das Ziel jedenfalls klar, da die legale Prostitution der gesundheitspolizeilichen Aufsicht unterliegt. "Wird ein Verbot verhängt werden auch registrierte Prostituierte in die Illegalität getrieben", bekräftige Straubinger.

Gewerbeanmeldung gegen Diskriminierung von Prostituierten
Dass Prostituierte trotz Steuerpflicht allerdings kein Gewerbe anmelden können, und nicht bezahltes Entgelt für Sexarbeit nicht eingeklagt werden könne, sei nicht zu rechtfertigen, erklärte sie. Hier sei der ÖVP beizupflichten. Bei all diesen Regelungen handle es sich jedoch um Bundeskompetenzen, unterstrich Straubinger, und die ÖVP hätte sechs Jahre Zeit gehabt , diese Gesetzesänderung im Bund zu beschließen.

Als wesentlich Aufgabe bezeichnete es Straubinger jedoch Maßnahmen zur generellen Verbesserung der Lebensbedingungen für Prostituierte zu setzten. Und das tue Wien offensiv, so die SP Gemeinderätin." Wesentlicher Aspekt dabei sind niederschwellige, also leicht zugängliche Anlaufstellen mit einem möglichst umfassenden Unterstützungsangebot über Gesundheitsbetreuung , Hilfe bei Betroffenheit von Gewalt bis hin zu Ausstiegsmöglichkeiten." Eine ganz zentrale Rolle spiele hier, konstatierte Straubinger, eine professionelle Krisenintervention, also eine hürdenfreie Beratung, die eine optimale psychosoziale "Erste Hilfe" anbietet. Denn oftmals sei eine Krise, Auslöser für einen Wendepunkt im Leben, betonte sie.

Wien finanziert niederschwellige Beratungseinrichtungen
So soll auch der Weiterbestand einer wesentlichen niederschwelligen Beratungseinrichtung für Prostituierte in Wien gesichert werden: Das Projekt wurde bisher aus EU - Mittel im Rahmen der Equal -Partnerschaft finanziert. Die Equal - Finanzierung läuft allerdings Ende Mai aus. Das Projekt der Volkshilfe Wien garantiert psychosoziale Beratung, Unterstützung und Begleitung in verschiedenen Sprachen sowie Beratung bei Schulden, bei Fragen zu Versicherung und Registrierung als Prostituierte, zu Aufenthalt und Arbeitsmarktzugang, zu Gewalt, Gesundheit, Sexualität, Wohnen und schließlich zu Umstieg und beruflicher Neuorientierung. Das Projekt stellt eine ideale Ergänzung zu den bereits bestehenden Angebote in Wien dar, allen voran das STD - Ambulatorium der MA 15 (Gesundheitswesen und Soziales) , die erste Anlaufstelle zur Gesundheitsvorsorge sowie zur Diagnose und Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten. STD ist außerdem in der Beratung und streetwork aktiv. Das Ambulatorium steht nicht nur registrierten Prostituierten offen, sondern kann auch anonym in Anspruch genommen werden. Von der Frauenabteilung der Stadt Wien gefördert wird auch der Verein LEFÖ - Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen. LEFÖ bietet migrierten Prostituierten entsprechende muttersprachige Beratung, Hilfe und psychologische Betreuung an. Alle Beratungseinrichtungen in Wien, z.B. auch jene für minderjährige Mädchen, arbeiten eng und vernetzt zusammen. Die Stadt Wien fördert auch Projekte gegen Menschenhandel in Ost- und Südosteuropa, von wo die meisten betroffenen Frauen und Mädchen nach Österreich gebracht werden.

"Die Lebenssituation von Prostituierten ist gekennzeichnet durch gesellschaftliche Ausgrenzung und Isolation. Sie sind stigmatisiert, abhängig von Männern, und von Gewalt betroffen sowie oftmals auch von Obdachlosigkeit. Hier trägt die Politik aber auch die Gesellschaft eine Verantwortung. Wir in Wien stehen jedenfalls zu dieser Verantwortung, in dem wir Prostituierte aktiv unterstützen, betreuen, sie vor Gewalt und Ausbeutung schützen, aber den Frauen auch helfen, ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen", so Straubinger abschließend. (schluss)

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