China/Deutschland: Pilotanlagen für zweite Generation von Bioethanol

Biokraftstoffe aus Zellulose und Nebenprodukten der Käseherstellung

Hongkong/Peking/Leppersdorf (AIZ) - Die Entwicklung der Bioethanol-Produktion, die derzeit primär aus zucker- und stärkehaltigen Rohstoffen erfolgt, schreitet voran. Beispielsweise in China und Deutschland werden Pilotanlagen zur Produktion von Biokraftstoffen der zweiten Generation geplant und errichtet, wo Stroh und andere biologisch abbaubare Reststoffe verwertet werden können.

Chinas staatliches Getreide-Handelsunternehmen COFCO ist guter Dinge, bis 2008 einen Durchbruch bei der Erzeugung von zellulose-basiertem Ethanol erreichen zu können. Präsident Frank Ning sagte gegenüber Journalisten, dass sein Unternehmen annimmt, eine Möglichkeit zu finden, um die Produktionskosten für Ethanol bis 2008 deutlich herabzusenken. Im Rahmen dessen arbeitet es mit einem dänischen Enzymhersteller zusammen. Bis 2008 würden die Kosten für die bei der Zellulose-Ethanol-Herstellung wichtigen Enzyme auf ein akzeptables Niveau sinken, meinte Ning vergangene Woche nach der Börseneinführung von China Agri-Industries Holding LTd., einem für Biokraftstoffe und Sojaöl verantwortlichen Ableger von COFCO.

Kommerziell brauchbare Technologie für Zellulose-Ethanol erwartet

Die Firma investiert laut Reuters CNY 50 Mio. (EUR 4,8 Mio.) in den Bau einer Pilotanlage, um zellulose-basierte Biomasse in Ethanol umzuwandeln. Die Fabrik in Zhaodong in der nordöstlichen Provinz in Heilongjiang soll eine jährliche Kapazität von 5.000 t erreichen. Mit dem Boom von Ethanol aus Getreide und Zucker geht einher, dass viele Firmen wetteifern, eine kommerziell brauchbare Technologie für Zellulose-Ethanol zu entwickeln. Ning hofft laut eigenen Angaben auf staatliche Unterstützung seines Projekts. Es wird erwartet, dass China, die weltweite Nummer zwei der Ölimporteure, in naher Zukunft einen Fünf-Jahresplan für den Biotreibstoff-Sektor erstellt. Dieser dürfte darauf abzielen, die Ethanol-Produktion des Landes auf 5 Mio. t bis 2010 und auf 10 Mio. t bis 2020 zu steigern. Obwohl Peking seit Dezember keine neuen Bioethanol-Projekte gebilligt hat, baut es derzeit vier Ethanol-Anlagen mit Kapazitäten zwischen 100.000 und 300.000 t pro Jahr in Guangxi, Hebei, Liaoning und Hubei.

Reststoffe der Käseherstellung in Bioethanol umgewandelt

Unterdessen will die deutsche Unternehmensgruppe Theo Müller (Müller-Milch) laut eigenen Angaben demnächst den Bau der weltweit ersten bekannten Anlage zur Herstellung von Bioethanol aus Reststoffen, die bei der Käseproduktion anfallen, starten. Wie ein Sprecher von Müllermilch gegenüber dem AIZ erklärte, werden bei Molke primär Zucker sowie Eiweiß abgetrennt und in anderen Bereichen verwendet. Der Rest, sogenanntes Permeat, wird dann mit Hilfe von Hefe vergoren, was in Folge Bioethanol ergibt. Permeat könnte an sich noch als Dünge- oder Futtermittel eingesetzt werden, praktisch wurde es von der Firma aber bisher kaum genutzt, was sich nun ändern soll. Es ist geplant, mit Hilfe dieser Technik, an deren Entwicklung das Unternehmen knapp 1,5 Jahre gearbeitet hat, ab 2008 jährlich 10 Mio. l des Kraftstoff-Zusatzes zu produzieren. Dafür sind Investitionen von EUR 20 Mio. vorgesehen. Bioethanol soll so besonders wettbewerbsfähig und unabhängig von der Preisentwicklung bei Getreide hergestellt werden können. Außerdem ist keine zusätzliche Beschaffung von Biomasse notwendig. Es ist geplant, die Anlage Ende 2007 in Betrieb zu nehmen.
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