"Kleine Zeitung" Kommentar: "Warum auch die Voestalpine nicht nur ein reiner Glücksfall ist" (Von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 30.03.2007

Graz (OTS) - Der britische CVC-Fonds hat gestern eine gewisse Größe gezeigt. Nach der totalen Irritation über die Haltung von Böhler-Boss Claus Raidl, der sich bekanntlich massiv gegen einen Einstieg von CVC bei Böhler ausgesprochen hat, begrüßte man gestern den angepeilten Einstieg der Voestalpine beim österreichisch-schwedischen Edelstahlerzeuger als "interessante Perspektive". CVC wünschte der neu geformten Gruppe "für die Zukunft viel Erfolg" - und gebärdete sich damit - zumindest verbal - gar nicht wie eine gefräßige Heuschrecke, die Böhler am liebsten filetiert und meistbietend verkauft hätte.

Ob die Grußbotschaft von CVC Taktik war oder mehr als ein Lippenbekenntnis, mag dahingestellt sein, Tatsache ist, Böhler-Uddeholm wird die Glückwünsche brauchen können. Denn auch unter rot-weiß-roten Vorzeichen ist eine Elefantenhochzeit wie diese - oder genauer gesagt eine Übernahme innerhalb ein und derselben Branche - kein leichtes Unterfangen. Der Stahlkonzern Voest und die Edelstahlschmiede Böhler haben zwar verschiedenste Geschäftsbereiche, gewisse Überschneidungen sind aber nicht zu übersehen. Und Überschneidungen riechen immer nach Rationalisierung.

Bei aller patriotischen Euphorie, die bereits gestern wenige Minuten nach der beabsichtigten Übernahme laut wurde, darf man auch nicht vergessen, das schiere Größe auf der Messlatte des Erfolgs eher unten angesiedelt ist. Gerade die Vergangenheit der österreichischen verstaatlichten Industrie hat gezeigt, dass Dinosaurier schwerfällig agieren. Das lag sicher am früheren Mehrheitseigentümer, dem Staat, der sich tief in die Konzerne eingemischt hat, das lag sicher auch an der Unübersichtlichkeit der Konglomerate.

Und wie immer man auch zu Übernahmen durch die vielgeschmähten Heuschrecken steht: Sie haben als Hechte im Karpfenteich vielfach dafür gesorgt, das ehemals schwerfällige Unternehmen in Bewegung kommen. Sie generell zu verteufeln geht wohl ebensowenig, wie die Übernahme von Böhler durch die Voest kritiklos als puren Glücksfall darzustellen.

Denn bei allen Übernahmen in der Vergangenheit hat sich letztlich eines gezeigt: Die wirklichen Gewinner - ob übernommener oder übernehmender Konzern - waren selten eindeutig auszumachen. Klar ersichtlich waren nur die Verlierer. Und die waren praktisch immer unter den Mitarbeitern zu finden. Davor schützt auch keine "Österreich-Lösung" für Böhler, selbst wenn sie wahrscheinlich das kleinste Übel unter vielen anderen Möglichkeiten ist.****

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