WirtschaftsBlatt Kommentar vom 30. 3. 2007: Jetzt ist die Welt wieder heil: Voest rettet Böhler - von Peter Muzik

Sie führt damit zusammen, was schon zusammengehört hat

Wien (OTS) - Wie glückliche Hühner haben sie gestern Vormittag noch gegackert, hochzufrieden, dass die "Heuschrecke" CVC bei Böhler-Uddeholm doch nicht zum Zug kommen wird: Der rote Bundesgeschäftsführer Josef Kalina, normalerweise nicht unbedingt ein ausgewiesener Wirtschaftsprofi, freute sich ebenso wie der FP-Bundesparteiobmann Norbert Hofer, der Böhler-Boss Claus Raidl "Lob und Anerkennung" für dessen Widerstand gegen den ausländischen Finanzinvestor zollte. Und Hannes Androsch, in spannenden Momenten immer zur Stelle, erklärte sich wie gewohnt bereit, an der patriotisch ausgerichteten Rettung von Böhler-Uddeholm gerne mitzuwirken.

Am Nachmittag, als um 14:11 Uhr die APA-Meldung kam, dass die Voestalpine-Aktie bis auf Weiteres vom Börsehandel ausgesetzt sei, war dann plötzlich allen klar: Die Welt ist wieder heil, Österreich kann aufatmen, die Attacke des britischen Finanzhais ist erfolgreich abgewehrt. Die Voestalpine, die sich vom staatlichen Defizit-Monster zu einem privatwirtschaftlichen Stahlkonzern von Weltformat gemausert hat, will nicht nur das Aktienpaket, das die Gruppe um Rudolf Fries an der Edelstahlfirma hält, kaufen, sondern sich mindestens 50 Prozent der Anteile an Böhler-Uddeholm sichern.

Der Linzer Stahlkoloss, der sich ja gottlob noch zu 56,3 Prozent in österreichischem Besitz befindet, führt damit zusammen, was - unter völlig anderen Voraussetzungen - schon einmal zusammengehört hatte:
Die 1975 gegründete einstige VEW, ein Zusammenschluss aus Gebrüder Böhler & Co AG, Schoeller-Bleckmann Stahlwerke AG und der Steirische Gussstahlwerke AG, war schliesslich eine 100-prozentige Voest-Tochter. Nach dem Kauf der schwedischen Uddeholm AB wurde die Gruppe 1991 neu organisiert, was der Startschuss zur Erfolgsstory der börsenotierten Böhler-Uddeholm war.

Die Voestalpine, mittlerweile ebenfalls längst als international tätiger Paradebetrieb bewährt, scheint derzeit die ideale Böhler-Retterin zu sein: Obwohl sich fast ein Viertel ihrer Aktien in US-Besitz befinden und 17 Prozent europäischen Anlegern gehören, kann sie sich auf stramme rot-weiss-rote Wurzeln verlassen: Neben Grossaktionären wie der oberösterreichischen Raiffeisenlandesbank und der Oberbank, die rund 20 Prozent der Anteile halten, und anderen österreichischen Aktionären (26 Prozent), sind auch die Voest-Mitarbeiter zu 10,3 Prozent an ihr beteiligt. Eine Konstellation, die hoffentlich möglichst lange halten wird - sonst bricht nämlich garantiert die nächste Hysterie aus.

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