"KURIER"-Kommentar von Reinhard Göweil: "Quantität ist noch kein Verkehrskonzept"

Minister Faymann ist ein Realo, der Koralmtunnel allein ist aber für Fundis.

Wien (OTS) - Das Heranrücken des Balkans und Osteuropas an Westeuropa hat natürlich zu einer Verschiebung der Verkehrsströme geführt. Man braucht sich nur die Steigerungen des Warenumschlags im Hafen Triest anschauen, um dies zu erkennen. Die nun
vorgestellten Bauprojekte sollen also die realwirtschaftliche Entwicklung und die realpolitische Verfassung Österreichs unter einem Hut bringen. Nun, genau das versucht der Verkehrsplan.
Womit eines klar ist: Vom Koralm-Bahntunnel wird zwar viel gesprochen, aber was wirklich weitergeht, wird die Zukunft weisen. Denn der Semmering-Bahntunnel ist nach wie vor auf Eis gelegt. "Stunde null" nennt Niederösterreichs Landeshauptmann Pröll den Status bei diesem Vorhaben. Vor 2012 wird sich gar nichts tun. Ohne Semmering ist der Koralmtunnel aber weniger als die halbe Miete. Das Geld dafür wäre - bei allem Respekt vor den steirischen und Kärntner Wünschen - auf der Westbahn besser eingesetzt. Eine ordentliche Bahnverbindung nach Bratislava wäre auch kein Fehler.
Die elf Milliarden Euro, die werden schon verbaut werden, das ist kein Problem. Ob sich an den bisherigen Schwerpunkten aber viel verändert, darf bezweifelt werden. Die Realos Faymann und Molterer haben sich hier alle Optionen offengelassen, denn als singuläres Projekt ist die Koralm-Bahn mehr was für Fundis.
Die große Frage des Konzeptes wird vielmehr sein, ob es gelingt, mehr Fracht und auch Passagiere von der Straße auf die Schiene zu bringen. Dazu genügen aber Investitionen alleine nicht. Dazu bedarf es einer ÖBB, die schnell und entschlossen genug am Markt reagiert. Bisher war das Unternehmen dafür immer noch zu träge.

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