"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Gefahr steigt, dass Darabos viel zu schnell in die Knie geht" (Von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 24.03.2007

Graz (OTS) - Fad dürfte dem neuen Verteidigungsminister Norbert Darabos nicht sein. Denn der entscheidende Poker im Tauziehen mit dem Hersteller um keine, weniger oder wenigstens billigere Eurofighter hat begonnen. Eine dieser drei Optionen sollte der Ex-Zivildiener bald wahrmachen. Sonst schauen er und die SPÖ-Spitze, die im Wahlkampf mit leichter Zunge sogar ein Storno des Zwei-Milliarden-Kaufs der 18 Kampfflugzeuge versprochen hat, schon vor ihrer Zeit alt aus.

So viel lässt sich schon seriös prophezeien: Leicht wird es für Darabos nicht werden, das Gesicht auch nur einigermaßen zu wahren. Er ist jedenfalls der einzige Anfänger am Verhandlungstisch. Seine Gegenüber von der Kampfjet-Industrie sind relativ abgebrühte Profis, die nicht nur auf Vertragstreue pochen, sondern flott Tatsachen schaffen werden. Sie wollen am 1. Juni, in gut zwei Monaten, den ersten Eurofighter an Österreich ausfliegen - und hoffen natürlich auch darauf, dass dessen erste Landung in Zeltweg so großen Eindruck macht, dass auch die grimmigsten Kampfjet-Gegner recht bald resignieren werden.

Dabei keimt bereits jetzt der Verdacht, in der Abwehr der militärischen Luxus-Jets sei Mutlosigkeit eine der hervorragenden Eigenschaften von Darabos. Selbst in der SPÖ zittern immer mehr, der Burgenländer könnte sich allzu billig aus der Affäre ziehen. Und sich mit ein paar Zuckerl abspeisen lassen. Wie sie der Eurofighter-Produzent jetzt angeboten hat: Er soll beim ersten Geheimtreffen mit Darabos in einem Wiener Hotel am Donnerstag den Poker damit eröffnet haben, Reparatursätze, Ersatzteile, Wartung und Logistik etwas zu verbilligen. Unterm Strich dürfte so ein schmaler Millionen-Rabatt herausschauen, den Darabos dann öffentlich als Erfolg verkaufen könnte. Der in Wahrheit aber eine Mangelwirtschaft erzeugt, die den Nachteil hat, die Einsatzfähigkeit dramatisch zu senken, stets ein paar Jets zu viel am Boden festzuhalten.

Da wäre es doch gleich gescheiter, weniger Flugzeuge zu kaufen und so eine Stange Geld einzusparen. Selbst der Eurofighter-Produzent hat einmal brieflich bestätigt, für Österreichs Luftraum reichten schon dreizehn dieser Jets aus.

Noch darf man als Steuerzahler hoffen, dass Darabos weiß, was er will, tut und er SPÖ-unübliche Standfestigkeit zeigt. Er sollte härter taktieren, warum nicht gleich mit Vertragskündigung drohen? Motive dafür könnte ihm der Eurofighter-Ausschuss liefern. Seit seiner Angelobung am 11. Jänner hat Darabos wenig erreicht. Doch das versprochene Vertragsstorno wird täglich um einige Millionen teurer.****

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