Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Von Müttern und Beamten

"Die Wirtschaft" brauche Arbeitskräfte. So begründet - ausgerechnet -die Familienministerin, warum Mütter möglichst rasch wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert werden sollten.
Die Beamtenministerin sieht offenbar keinen solchen Bedarf. Sie fordert, dass frühpensionierte Beamte nicht mehr arbeiten dürfen. Dass also auch diese von den sogenannten Ruhensbestimmungen getroffen werden, die es für das Volk gibt.

Das ist in der Tat eine inakzeptable Ungleichbehandlung. Nicht zuletzt deshalb, weil sich viele Spitzenbeamte knapp vor der Pensionierung die Basis für eine angenehme Beschäftigung sichern:
Viele wechseln nämlich in Vereine und Organisationen, die von öffentlichen Subventionen (meistens aus ihrer alten Dienststelle) leben, an die Normalsterbliche kaum herankommen. Damit haben sie neben der üppigen Pension der höheren Dienstklassen zumindest ein komfortables Büro mit Sekretärin.

Trotz dieser nie ordentlich untersuchten zwielichtigen Praxis hat die Beamtengewerkschaft Recht: Eine Angleichung zwischen Beamten und Nichtbeamten könnte ja auch in die andere Richtung erfolgen. Dass jeder Frühpensionist etwas dazuverdienen kann, ist insbesondere dann sinnvoll, wenn man der Familienministerin folgt, dass die Wirtschaft Arbeitskräfte braucht.

Jedoch: Keine Pension ist durch die Beiträge voll verdient (lediglich männliche Angestellte schaffen dies zu rund 90 Prozent). Bei den Beamten ist dieser Anteil viel niedriger - selbst wenn man auch den Arbeitgeberbeitrag zur Pension dazurechnet, den die öffentliche Hand aber nie wirklich einbezahlt hat.

Gerecht wäre die volle Dazuverdienfreiheit also nur dann, würde die Pension gleichzeitig auf jenes Ausmaß schrumpfen, das den wirklichen (und fingierten) Einzahlungen entspricht. Das wäre zweifellos humaner, als arbeitswilligen und -fähigen Menschen das Arbeiten grundsätzlich zu untersagen.

Zugleich wäre es absolut inhuman, Mütter zu diskriminieren, wenn sie nicht rasch wieder arbeiten gehen. Denn sie arbeiten an der allerwichtigsten volkswirtschaftlichen Zukunftsinvestition. Auch wenn es die Familienministerin nicht weiß.

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