"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die CO2-Versager" (Von PETER NINDLER)

Ausgabe vom 23. März 2007

Innsbruck (OTS) - Die Erbschaftssteuer fällt, die Mineralölsteuer wird erhöht. Denkt man einmal nicht an den Klimaschutz, kommt einem unwillkürlich diese Milchmädchenrechnung in den Sinn. 440 Millionen Euro kassiert der Staat wieder von den Autofahrern. Schließlich eignen sie sich perfekt als Melkkuh der Nation.

Zweifelsohne ist der Verkehr Hauptverursacher von Treibhausgasen. Doch während der Pkw-Besitzer europaweit geschröpft wird, lassen Bundesregierung und EU beim Schwerverkehr Milde walten. Zum Vergleich: Der Lkw-Verkehr kommt lediglich für rund 30 Prozent der von ihm verursachten Folgekosten auf und wird von der österreichischen Bevölkerung mit jährlich 3,9 Milliarden Euro quersubventioniert. Und für die schlechte Luft in Tirol, die hauptsächlich der Lkw verursacht, müssen die Autofahrer Tempo 100 auf der Autobahn zwischen Kufstein und Zirl fahren.

Klimaschutz würde in erster Linie eine Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene bedeuten. Doch man schröpft im Inland statt in Brüssel auf die Pauke zu hauen. Dort muss meist und in letzter Konsequenz leider erfolglos um jeden Maut-Cent gerungen werden. Das geplante sektorale Fahrverbot, das überflüssige Lkw-Transporte auf die Bahn zwingen soll, will Brüssel ohnehin nicht.

Letztlich - und das ist das größte Ärgernis - wird Tirol beim Nahverkehr krass benachteiligt. Während der Bund im Osten 50 Prozent der Kosten für Nahverkehrsprojekte übernimmt, drückt er Tirol stets Richtung 30 Prozent. Ob sich das ändern wird? Wohl nicht, denn Wien und Niederösterreich treiben die Bundesregierung munter vor sich her.

Viele Tiroler Pendler würden gerne umsteigen und aufs Auto verzichten, wenn die Öffis leistbar und attraktiv wären. Dass sie jetzt noch für eine verfehlte Verkehrs- und Klimaschutzpolitik bestraft werden, verwundert bei dieser Regierung nicht mehr. Eine erhöhte Pendlerpauschale kann dies nicht kompensieren.

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