"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Gusenbauer und andere Katastrophen" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 23.03.2007

Wien (OTS) - Als vor wenigen Wochen ein Finanzinvestor namens "Cerberus" die Gewerkschaftsbank Bawag aufgeschnupft hat, hatte SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer dagegen nicht einzuwenden. Die Cerberus-Milliarden ersparten ja dem nicht ganz SPÖ-fernen ÖGB die Pleite. Hannes Androsch machte sich gar zum Sprachrohr und überzeugte die Bawag-Mitarbeiter von den Vorteilen einer Übernahme.
Als dann vor wenigen Tagen ein Finanzinvestor namens "CVC" die Absicht bekundete, den österreichischen Paradekonzern Böhler-Uddeholm zu übernehmen, schlug SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer die Hände über dem Kopf zusammen: Das wäre "eine Katastrophe, weil das Unternehmen zum Spielball der Finanzmärkte würde". Und Hannes Androsch will einen "Österreich-Fonds" gründen, "um weitere Übernahmen durch ausländische Konzerne zu verhindern".
Alfred Gusenbauer hat damit einmal mehr bewiesen, dass er von Wirtschaft nichts versteht. Hannes Androsch kennt sich in der Wirtschaft aus und wird daher seine Gründe haben, wenn er für Cerberus, aber indirekt gegen CVC ist.
Das Problem ist, dass Finanzinvestoren derzeit in Geld schwimmen und für attraktive Veranlagungen nahezu jeden Preis zahlen. Böhler-Uddeholm ist daher schon lange ein Übernahmekandidat.
Waren Investoren wie Cerberus oder CVC vor wenigen Monaten noch als "Heuschrecken" verpönt, die über Unternehmen herfallen sie abnagen und dann Kassa machen, sieht man das inzwischen anders. Das fehlende "industrielle Interesse" kann nämlich auch ein Vorteil sein.
Würde sich ein anderer Stahlkonzern an Böhler-Uddeholm (oder eine andere Bank an der Bawag) beteiligen, so wäre "industrielles Interesse" vorhanden. Die mögliche Folge: Überlappende Produktionen der Stahlkonzerne oder nahe beieinander liegende Bankfilialen werden geschlossen.
Finanzinvestoren wollen die von ihnen erworbenen Unternehmen zwar auch möglichst attraktiv machen, verfolgen dazu aber meist auch eine mittel- bis langfristige Expansionsstrategie. Das erleichtert es ihnen, nach ein paar Jahren Kassa zu machen.
Nicht verübeln kann man es jedenfalls privaten Kernaktionären wie der Fries-Gruppe (bei Böhler) oder dem ÖGB (bei der Bawag), wenn sie zwecks Realisierung von Kursgewinnen oder auch aus purer Finanznot ihre Anteile teuer an Finanzinvestoren verkaufen. Auf solche Erträge könnte allenfalls eine Regierung verzichten, wenn ihr eine staatliche Beteiligung aus industrie- oder finanzstrategischen Überlegungen nützlich erscheint.
Das gehört bei allem Respekt vor sinnvollen Privatisierungen grundsätzlich überlegt. Bei der Bawag und bei Böhler-Uddeholm ist es dafür jedenfalls zu spät. Am Energiekonzern OMV hält der Staat noch 31,5 Prozent, an der Post sogar 51 Prozent. Über die Aufgabe von Sperrminoritäten sollte angesichts des Hungers von Finanzinvestoren noch gründlich diskutiert werden.

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