Konkrete Forderungen zur Reform der Lehrlingsausbildung

ExpertInnen legen zukunftsweisende Modelle vor

Wien (AKNÖ) - Mit den Statistiken zu den Erfolgsquoten der Lehrlingsausbildung verweist AKNÖ-Lehrlingsexperte Gustav Lenzki, auf zwei der Felder der Dualen Ausbildung in denen dringender Handlungsbedarf gegeben ist: die öffentliche Wahrnehmung und die Qualität der Lehrlingsausbildung. Ausgehend davon entwickelte sich bei der Bildungs-Enquete der NÖ Arbeiterkammer am 21. März in St. Pölten die Debatte über visionäre Modelle moderner Ausbildungsformen.

"Würden in einer AHS bis zu 30 Prozent der Schüler durch die Matura fallen, wäre Feuer am Dach. In der Lehrlingsausbildung scheint das jedoch niemanden aufzuregen", so Lenzki. Dieses Faktum beschäftigt auch Univ.-Prof. Mag. Dr. Elke Gruber: "Es verwundert mich immer wieder, wie sehr das Thema Lehrlinge in der öffentlichen Diskussion untergeht und das, obwohl mehr als ein Drittel der Jugendlichen pro Jahr die Duale Lehrausbildung wählt".

Bemühungen um die Qualität der Ausbildung
Auch in der Qualität der Ausbildung sehen die ExpertInnen dringenden Aufholbedarf. "Die Ausbildner müssen wieder mehr in die Pflicht genommen werden. In der nächsten Novelle des Berufsausbildungsgesetzes muss die Wiedereinführung der Ausbilderprüfung enthalten sein", so Lenzki. Aber auch die Lehrlinge sollen Zwischenprüfungen ablegen können, das wäre gesetzlich möglich, es fehlen lediglich die Verordnungen dazu. Der Förderbedarf darf nicht erst festgestellt werden, wenn es bereits zu spät ist.

Blum-Förderung unter der Lupe
"Es zeigt sich, dass sich das Problem der Lehrstellenknappheit nicht mit finanziellen Zuwendungen alleine lösen lässt", äußerte sich Lenzki kritisch zur Blum-Förderung. "Die Ausschüttung der Mittel nach dem Gieskannenprinzip hat sich nicht als sinnvoll erwiesen. Es wird Zeit über neue Möglichkeiten der Förderung nachzudenken." Der Regierungsbeauftragte für das Lehrlingswesen KommR Egon Blum verwies hingegen darauf, dass seit Einführung des Blum-Bonus der Sinkflug der Lehrstellen gestoppt und neue Lehrstellen hinzugewonnen werden konnten.

Lehre im Image-Tief
"Es kann nicht sein, dass Jugendliche, deren Talent eindeutig in manuellen Tätigkeiten liegt, aus Imagegründen, in die Schullaufbahn gedrängt werden", so Blum zum Hackler-Image der Lehrlingsausbildung. Da die guten Ideen aus Forschung und Entwicklung auch umgesetzt werden müssen, wäre es an der Zeit den qualifizierten FacharbeiterInnen auch einen höheren Stellenwert beizumessen. "Die Umsatzkompetenz muss genauso wertvoll eingeschätzt werden wie die Forschungskompetenz", so Blum.

Einigkeit in der Uneinigkeit
Bei allen Kontroversen um Detailfragen, darf das Verbindende nicht unter den Tisch fallen, resümierte AKNÖ-Direktor, Mag. Helmut Guth, am Ende der Veranstaltung. "In der Frage nach der Förderung des Systems durch öffentliche Gelder herrscht breiter Konsens. Die Details der Ausgestaltung müssen jedoch weiter konstruktiv diskutiert werden", so Guth. Und weiter: "Wenn wir uns vom gemeinsamen Interesse an unserer Jugend leiten lassen, wird es uns gelingen den Anspruch der jungen Menschen auf eine optimale Persönlichkeitsentwicklung zu erfüllen und den Wirtschafsstandort Österreich nachhaltig zu sichern."

Rückfragehinweis: Gustav Lenzki, Referat für junge ArbeitnehmerInnen und Qualitätssicherung der Lehrlingsausbildung, 01 58883-1871

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