304 Ökonominnen und Ökonomen gegen die Abschaffung der Erbschaftssteuer

ExpertInnen: "Erbschaftssteuern sind ökonomisch sinnvoll und sozial gerecht"

Wien (OTS) - 304 Ökonominnen und Ökonomen von Universitäten und Forschungseinrichtungen haben einen gemeinsamen Aufruf gegen die Abschaffung der Erbschaftssteuer unterzeichnet. Damit will man ein klares Zeichen für eine effiziente und gerechte Steuerpolitik setzen.

"Die Vererbung von Vermögen steht mit dem Selbstverständnis einer Leistungsgesellschaft im Widerspruch. Geerbtes Vermögen wurde nicht durch eigene Leistung erwirtschaftet", erklärt Univ. Prof. Herbert Walther. Eine stärkere Besteuerung von Erbschaften würde im Budget Spielraum für eine Senkung der Steuern auf Arbeit schaffen. Das würde die Anreize für Erwerbsarbeit und Leistung stärken, sind sich die ExpertInnen einig.

Erbschaftssteuern sind nicht nur ökonomisch sinnvoll sondern auch sozial gerecht. Die sozial ungleiche Verteilung von Vermögen und Erbschaften ist durch Studien vielfach belegt. Je höher Ausbildung, Einkommen und soziale Stellung, desto höher sind auch im Durchschnitt die zu erwartenden bzw. bereits erhaltenen ererbten Vermögen. Die Weitergabe von Vermögen beeinträchtigt die Chancengleichheit. "Eine Besteuerung von Erbschaften, deren Erträge für Verbesserungen im Ausbildungssystem verwendet werden, stellt eine besonders geglückte Kombination zur Verbesserung der Chancengleichheit dar".

Im internationalen Vergleich ist das Aufkommen aus vermögensabhängigen Steuern (zu denen auch die Erbschaftssteuer zählt) besonders gering. Nur 1,1 % aller Abgaben entfallen darauf, das liegt deutlich unter dem EU-15-Durchschnitt von mehr als 5 % (Quelle: OECD 2006). Schon eine Angleichung an den EU-Schnitt brächte über 4 Mrd. Euro mehr für die Entlastung von Arbeitseinkommen. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es dringend erforderlich, den Faktor Arbeit zu entlasten. Das würde die Beschäftigungschancen der nicht ausreichend Qualifizierten verbessern und vor allem die kleinen und mittleren Einkommen stärken, die besonders konsumfreudig sind.

Die mehr als 300 unterzeichnenden ÖkonomInnen richten daher einen klaren Appell an die Politik: "Wir sprechen uns strikt gegen eine Abschaffung der Erbschaftssteuer aus. Die Erbschaftssteuer sollte reformiert werden und in Hinkunft einen höheren Anteil am Steueraufkommen einnehmen".

Rückfragen & Kontakt:

Initiative Erbschaftssteuer
Dr. Markus Marterbauer: 0664/278 29 09
Dr. Martin Schürz: 0664/325 73 48

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0002