GMTN Foglar: Böhler Belegschaft verunsichert

Staat muss Interessen Österreichs langfristig wahren

Wien (GMTN/ÖGB) - "Wir werden jetzt nicht in den Anti-Privatisierungschor einstimmen, denn Böhler-Uddeholm ist schon seit 2003 ein voll privatisiertes Unternehmen, ob uns das damals gefallen hat oder nicht", sagt Erich Foglar, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung (GMTN), zu den aktuellen Entwicklungen um den Edelstahlkonzern. "Wir müssen aber generell über Industriepolitik diskutieren und wie dabei auch politische Verantwortung wahrgenommen wird."++++

Die Eigentümerstrukturen von Unternehmen und das globale Verhalten von Kapital könne man nicht wegargumentieren, so Foglar: "Es ist eine Tatsache, dass weltweit immer mehr Kapital auf der Suche nach profitablen Investitionsmöglichkeiten im Umlauf ist. In den Industrieländern steigen z.B. die privaten Pensionsvorsorgen jedes Jahr enorm. Die Pensionsfonds haben ungeheure Mengen an Kapital und müssen es rund um den Globus investieren - natürlich vornehmlich, um damit die notwendigen Renditen für die Pensionszahlungen zu erhöhen. Investoren sind aber nicht per se schlecht, wichtig ist was sie tun." Insofern habe Böhler-Uddeholm Generaldirektor Raidl mit seiner Aussage, nicht die Aktionäre, sondern der Vorstand würde die Geschäfte führen, zwar prinzipiell recht. Andererseits könnten Eigentümer den Vorstand auch verändern oder erneuern. "So gesehen muss man Raidls Aussage relativieren, dass sich durch einen Wechsel in der Aktionärsstruktur im Unternehmen, in der Führung, an der Strategie oder an der Arbeitsplatzsituation nichts ändern wird."

Industriepolitik braucht Stabilität

"Wir sind in permanentem Kontakt mit der Belegschaftsvertretung bei Böhler-Uddeholm, und verstehen die Sorgen, die die Beschäftigten jetzt haben: Wie lange bleibt der neue Investor, was plant er mit unseren Arbeitsplätzen und wie geht es in einigen Jahren mit uns weiter, wenn CVC genug verdient hat." Für eine langfristige österreichische Industriepolitik wäre mehr Stabilität wichtig, es wäre wünschenswert, wenn heimische Schlüsselunternehmen nicht alle fünf bis sieben Jahre einen neuen Eigentümer bekämen, weil die einen Investoren genug verdient hätten und neue folgen - egal ob aus dem In- oder Ausland, so Foglar. "Uns ist langfristiges Denken über den aktuellen Börsekurs und über den günstigsten Zeitpunkt zum Kassa-Machen hinaus ein Anliegen." Das sei industriepolitisch, volkswirtschaftlich und für die Beschäftigungslage nötig: "Für die ArbeitnehmerInnen bei Böhler-Uddeholm und in den Zulieferunternehmen ist es essentiell, dass das Hauptquartier des Unternehmens in Österreich bleibt und dass die bisher sehr erfolgreiche Strategie von Investitionen, Forschung und Entwicklung, Lehrlingsausbildung und Expansion weiter verfolgt wird. Die österreichische Wertschöpfung, auch der heimischen Zulieferunternehmen, muss im Land verbleiben. Zu diesen Punkten muss sich auch der mögliche neue Eigentümer bekennen."

"Um das zu gewährleisten - nicht nur im aktuellen Fall - brauchen wir ein prinzipielles Umdenken in der Industriepolitik", fordert Foglar. Der Staat müsse sich aktiv für die Erhaltung industrieller Schlüsselunternehmen einsetzen und so auf lange Sicht die Interessen Österreichs wahren. Der vorgeschlagene Österreich-Fonds müsste demnach, so Foglar, durch institutionelle Anleger gespeist werden, darunter Gebietskörperschaften, Banken, Versicherungen und dergleichen. "Wenn diese Anleger strategische Ziele wie langfristige Wertschöpfung im Inland, Sicherung der Arbeitsplätze, Ausbildung von Fachkräften, Forschung und Entwicklung und damit allgemein die Stärkung des Standortes verfolgen, können sie sich nicht einfach aus ihrer politischen Verantwortung verabschieden, wenn die Gelegenheit gerade günstig wäre."

ÖGB, 21. März 2007 Nr. 202

Rückfragen & Kontakt:

Nani Kauer
GMTN Öffentlichkeitsarbeit
(01) 501 46 242
0664 6145 915
www.gmtn.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB0006