Gewerkschaft Bau-Holz: Berufskrankheitenliste evaluieren!

Die häufigsten Erkrankungen von schwer arbeitenden Menschen fehlen

Wien (GBH/ÖGB) - In ihrem Tätigkeitsbericht vermeldet die Arbeitsinspektion ein Ansteigen der Berufskrankheiten auf 1.146 Krankheitsfälle. Johann Holper, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH), dazu anlässlich der Sitzung des GBH-Bundesvorstandes am Mittwoch: "Leider sind das nur jene Erkrankten, die an einer `anerkannten Berufskrankheit´ leiden, die in einer taxativen und sehr eng gefassten Berufskrankheitenliste aufgeführt sind. Nicht die Rede ist hier von jenen Tausenden ArbeitnehmerInnen, die an einer berufsbedingten Erkrankung leiden oder sogar daran sterben. Dazu zählen z.B. Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch und gerade diese Erkrankungen sind im Ansteigen begriffen." ++++

Gerade SchwerarbeiterInnen leiden zu einem großen Teil an Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Andreas Huss, Leitender Sekretär der GBH und für Gesundheit und ArbeitnehmerInnenschutz zuständig, dazu konkret: "Wir beobachten z.B. bei Bauarbeitern zahlreiche Fälle von Bandscheibenvorfällen, aber auch ein starkes Ansteigen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Grund des zunehmenden Zeitdrucks und Stresses auf den Baustellen. Die tatsächlichen Zahlen von arbeitsbedingten Erkrankungen betragen mindestens das Dreifache des nun berichteten Wertes."

Aktuell hat sich ein 45 Jahre alter Mineur (Tunnelbau) an Huss gewandt: "Der Kollege ist seit einem Jahr, wegen schwerer Bandscheibenschäden und zweimaliger Operation an der Wirbelsäule, arbeitsunfähig. Die GKK versucht seit Beginn des Krankenstandes ständig, ihn in die Pension zu ‚entsorgen’. Die AUVA ist nicht zuständig, weil es sich nicht um eine anerkannte Berufskrankheit nach der BK-Liste handelt. Im Mai läuft der Krankengeldbezug aus. Wenn die Invaliditätspension nicht bewilligt wird, gerät dieser Kollege unverschuldet in eine Existenz bedrohende Lage", so Huss.

Die Arbeiter schuften sich buchstäblich bei jeder Witterung unter enormem Termindruck kaputt, erleiden auf Grund ihrer schweren beruflichen Belastungen Erkrankungen und haben dann nicht einmal einen Anspruch auf eine Rentenleistung durch die AUVA. Der Bundesvorstand der GBH fordert daher eine Evaluierung der Berufskrankheitenliste und die Aufnahme berufsbedingter Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates und des Herz-Kreislauf-Systems. Die AUVA benötigt dafür aber auch ausreichende finanzielle Mittel -einerseits für Rentenleistungen, und andererseits für eine verstärkte Prävention gerade dieser berufsbedingten Erkrankungen. Zumindest die bisher in verschiedensten Institutionen verwendeten Mittel für Prävention (AUVA, GKK, AVOS…) müssen gebündelt werden. "Das Versprechen der Bundesregierung aus dem Regierungsprogramm, sich verstärkt dem Thema Prävention zu widmen, darf kein Lippenbekenntnis sein. Das ist ein ausgezeichneter Ansatzpunkt, dieses Thema offensiv anzugehen", bestätigt Holper.

ÖGB, 21. März 2007 Nr. 201

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