Morgiger Weltwassertag soll auf die globale Wasserknappheit aufmerksam machen

Hydrologischer Atlas zeigt Veränderungen der Wasserbilanz auf

Wien (OTS) - "Der morgige Weltwassertag widmet sich dem Thema der globalen Wasserknappheit. In Österreich haben wir eine ausreichende Verfügbarkeit von sauberem Trinkwasser, das ist auch eine Folge der ausgezeichneten Abwasserreinigung. Wir haben ca. 84 Milliarden m3 an Trinkwasser-Reserven, das entspricht etwa einer Wassermenge von 1000-mal dem Wörthersee. Neue Ergebnisse des Hydrologischen Atlas Österreichs (HAÖ) zum Thema "Veränderung der Wasserbilanz in den vergangenen 50 Jahren" zeigen, dass wir dennoch aufpassen müssen und der Klimawandel als Bedrohung unserer Wasserreserven gesehen werden muss", so DI Wilfried Schimon, Leiter der Sektion Wasser im Lebensministerium, heute im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich des morgen stattfindenden Weltwassertages.

"Österreich darf sich nicht auf der günstigen Situation ausruhen. Wir müssen vor allem die Klimaentwicklungen im Auge behalten. Auf Grund des Klimawandels wird erwartet, dass die Jahressummen der Niederschläge zwar gleich bleiben, sich aber die saisonale und räumliche Verteilung verschieben wird. Das bedeutet, dass im Winter mehr Niederschläge in Form von Regen fallen und weniger Grundwasservorräte im Winter gebildet werden", so Schimon weiter.

Der Hydrologische Atlas zeigt, dass sich Niederschlag, Abfluss und die Wasserbilanz Österreichs in den vergangen 50 Jahren verändert haben. Die festgestellten Trends können als Indiz dafür gesehen werden, in welche Richtung die globale Temperaturerhöhung der vergangenen 30 Jahren den Wasserhaushalt Österreichs beeinflussen wird. Eine signifikante räumliche Grenze bildet der Alpenhauptkamm. Während die Niederschläge nördlich der Alpen insbesondere im Herbst stark zu- und im Sommer abnehmen, ist der Süden, speziell Kärnten, fast durchgehend von einer Abnahme der Niederschläge betroffen.

Die Spuren des Klimawandels sind auch im Bereich der Gletscher sichtbar. So haben sich zum Beispiel die Gletscher in Österreich stark verändert. Seit 1969 reduzierte sich die Gletscheroberfläche bis 1998 in Summe um ca. 17 Prozent. Besonders stark betroffen sind kleinere Gletscher in tieferen Lagen, deren Oberfläche sich sogar bis zu 60 Prozent reduziert hat. Bewahrheiten sich die Prognosen hinsichtlich der weiteren Temperaturerhöhung in diesem Jahrhundert, werden die Gletscher bis 2050 in Österreich verschwunden sein. Das hätte dramatische Auswirkungen auf die Wasserbilanz.

Auch DI Dr. Werner Flögl, Präsident des Österreichischen Wasser-und Abfallwirtschaftsverbandes (ÖWAV), bestätigt: "Wasserknappheit ist in Österreich bisher kaum Thema. Es muss uns bewusst sein, dass der Klimawandel und die prognostizierte Erwärmung ihre Spuren auch in der österreichischen Wasserwirtschaft hinterlassen werden. Das betrifft alle Bereiche, von der Trinkwasserversorgung über die landwirtschaftliche Bewässerung, die Energieerzeugung aus Wasserkraft bis zum Hochwasserschutz. Die enge Vernetzung der Wasserwirtschaft mit nahezu allen Wirtschaftssparten erfordert eine interdisziplinäre Herangehensweise an diese Problemstellung."

Vorstandsdirektor DI Harald Schneider, Präsident der österreichischen Vereinigung für das Gas- und Waserfach (ÖVGW) schlägt in diesem Zusammenhang vor, vorausblickend zu planen und zu investieren: "Das heißt für Österreichs Wasserversorger, klimatische Extremereignisse mit zu bedenken und Gegenmaßnahmen wie Verbundaktivitäten und "Wasserschienen" verstärkt einzurichten. Zudem müssen Wasserressourcen vorsorgend abgesichert und neue Quellen oder Grundwasserkörper zwecks Diversifizierung für die öffentliche Wasserversorgung erschlossen werden. So kann die Versorgung auch bei länger anhaltenden Trockenperioden oder extremen Niederschlägen sichergestellt werden".

Weltweit gibt es ein massives Zugangs- und Verteilungsproblem der Ressource Wasser. Vor allem die anhaltende Beschleunigung der Urbanisierung und der steigende Bedarf an Bewässerungswasser für die Nahrungsmittelproduktion wird die globale Wasserproblematik weiter verschärfen. Der jüngste UNDP Bericht über die menschliche Entwicklung 2006, der sich dem Thema Wasser widmet, zeigt unter anderem auf, dass nach wie vor weltweit 700 Millionen Menschen in Gebieten mit Wasserknappheit leben und jedes Jahr fast zwei Millionen Kinder sterben, weil sie kein sauberes Trinkwasser haben.

Die strikte Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen weltweit und natürlich auch in Österreich ist ein wichtiger Beitrag, um die Wasserknappheit zu bewältigen und vorzubeugen. Dazu kommen natürlich Aufgaben, wie eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung, die Anpassung der Wirtschaftsverhältnisse an die Wasservorräte - insbesondere in der Landwirtschaft -, ein Know-how Transfer von Wassertechnologien und eine friedliche grenzüberschreitende Nutzung von Wasservorräten. "Wir müssen alle unseren Beitrag leisten und dazu ersuche ich jeden einzelnen", so Sektionschef Schimon abschließend.

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