"Kleine Zeitung" Kommentar: "Bei Böhler-Uddeholm ist eines klar: Die Zukunft liegt im Dunkeln" (Von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 20.03.2007

Graz (OTS) - Eines der bedeutendsten Unternehmen Österreichs, der Edelstahl-Konzern Böhler-Uddeholm, steht vor spannenden Wochen. Kurz gesagt geht es um die weitere Entwicklung des Unternehmens oder: Wie schaut die Zukunft aus?

Die Frage ist berechtigt. Ein Aufsehen erregender Transfer von Böhler-Aktien hat die Alarmglocken schrillen lassen.

Diese Transaktion gewinnt ungeheure Bedeutung. Jetzt hat sich nämlich ein Interessent geoutet, die britische CVC Capital Partners, ein international agierender Fonds, ein Finanzinvestor, der sich an Böhler-Uddeholm beteiligen will. CVC schwört Stein und Bein, weder direkt noch indirekt am Böhler-Aktienhandel vom Wochenende beteiligt gewesen zu sein.

Der Knackpunkt ist die Eigentümerstruktur im Edelstahlkonzern. Knapp 21 Prozent hält die Fries-Gruppe und ist der weitaus größte Aktionär. CVC will Fries diese Anteile abkaufen. Der Preis ist Verhandlungssache. Jetzt kommen wieder die besagten Aktienverkäufe ins Spiel. Wird dieses Paket der CVC angedient und kaufen die Briten auch, sind sie in einer komfortablen Lage.

Sie können über die Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie in Unternehmensentscheidungen eingreifen, ohne dafür ungleich viel mehr Geld einsetzen zu müssen. Das Übernahmegesetz schreibt nämlich vor, dass ab 30 Prozent Beteiligung allen anderen Aktionären ein Kaufangebot unterbreitet werden muss. Bei Böhler-Uddeholm sind das über die halbe Welt verstreut lebende Kleinaktionäre.

Die Briten hätten das Geld auch für die Übernahme der Mehrheit. Woher das Geld kommt? In Fonds tummeln sich Investoren unterschiedlichster Art. In Großbritannien wird ausgesprochen viel Kapital selbst aus Russland gebunkert, sagen die Banker.

Wo die Interessen von CVC liegen, zeigen die Daten ab der Gründung 1981. Seit damals wurden 220 Unternehmen übernommen, aktuell sind 50 im Stand. Das heißt, es werden immer wieder Firmen abgestoßen. Meist liegt die Frist bei fünf Jahren. Das wird auch für den Edelstahlkonzern gelten.

Investmentfonds sehen ihr Ziel darin, mit dem veranlagten Kapital möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften. Böhler-Uddeholm ist Weltmarktführer bei Edel- und Werkzeugstahl. Das Stahlgeschäft läuft gut wie nie zuvor, Böhler-Uddeholm wirft satte Gewinne ab. Noch kann Böhler-Uddeholm eigenständig über seine Geschäfte entscheiden. Nach einem Verkauf wird der neue Eigentümer seine Vorstellungen umsetzen. Beide kennt derzeit niemand. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001