WirtschaftsBlatt Kommentar vom 20. 03. 2007: Böhler: Jetzt will's niemand gewesen sein - von Peter Muzik

Das mysteriöse Kursfeuerwerk muss unbedingt aufgeklärt werden

Wien (OTS) - Die Gesellschafter der BU Industrieholding GmbH müssten in diesen Tagen eigentlich einen wilden Freudentanz aufführen: Die von Anwalt Rudolf Fries gemanagte Gesellschaft hält nämlich 20,95 Prozent an der Böhler-Uddeholm AG, die derzeit im Mittelpunkt heftiger Avancen seitens der britischen CVC Capital Partners steht. Diese ist an einem Einstieg grundsätzlich interessiert und prüft, ob ein Übernahmeangebot gelegt werden soll. Das wäre naturgemäss ein Gücksfall für jene, die beim Edelstahlkonzern noch die Nummer eins sind: Fries und seine Vertrauten - darunter der ehemalige Palmers-Chef Rudolf Humer, der einstige Werber Hans Schmid und der Industrielle Ernst Hable - würden mit Sicherheit das Geschäft ihres Lebens machen.

Die Story hat nur einen Haken - und das war gestern die eigentliche Sensation: Der englische Finanzinvestor zeigte sich erstaunt über die exorbitanten Kursbewegungen der letzten Tage. CVC habe weder direkt noch indirekt auch nur eine einzige Aktie der Böhler-Uddeholm AG erworben, wurde verlautet. Im Klartext: Die Briten haben mit den Kursausschlägen der letzten Tage nichts zu tun. Ein Umstand, der die Finanzmarktaufsicht sogleich veranlasst hat, die Chose routinemässig zu prüfen. Das Merkwürdige ist, dass die Aktien des Edelstahlproduzenten bereits am vergangenen Mittwoch bei hohem Volumen gegen den Trend um knapp zwei Prozent und am Donnerstag um fast sieben Prozent zulegten, ehe der Aktienkurs am vorigen Freitag um sagenhafte 30 Prozent nach oben schoss. Einschlägigen Experten fällt in solchen Fällen automatisch der Begriff Insidertrading ein.

Für die Wiener Börse sind derartige - auf den ersten Blick unerklärliche - Vorkommnisse naturgemäss der reine Horror, sodass der gestrige Montag durchaus das Attribut schwarz verdient. So erfreulich es auch ist, dass sich der englische Private-Equity-Investor mit dem derzeitigen Böhler-Hauptaktionär, der BU Industrieholding, bereits über die Zukunft verständigt habe, versteht sich eines von selbst: Ehe Böhler-Uddeholm, schon jetzt zu mehr als 65 Prozent in ausländischem Besitz, künftig weitgehendst unter fremder Flagge segelt, muss - aus hygienischen Gründen -eindeutig geklärt sein, wer für das mysteriöse Kursfeuerwerk verantwortlich gewesen ist. Die Fries-Gruppe wird logischerweise nur dann verkaufen können, wenn feststeht, wer im Hintergrund Regie führte, als 2,31 Millionen Aktien im Wert von rund 160 Millionen Euro den Besitzer gewechselt haben. Für Spannung ist gesorgt.

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