"KURIER"-Kommentar von Andreas Schwarz: "Fingerspitzengefühl"

Im Fall der 17-Jährigen, der Abschiebung droht, kann nicht nur das Gesetz zählen.

Wien (OTS) - Theorie und Praxis klaffen oft auseinander. Auch in
der Politik. Etwa bei Gesetzen, die die Politik erlässt, und den Auswirkungen, die sie haben. Oft klafft es da in großem Umfang; dann wird das Gesetz repariert. Manchmal klafft es in Einzelfällen. Dann bräuchte es zumindest Fingerspitzengefühl.
Das Fremdengesetz zum Beispiel hat strenge Regeln darüber erstellt, wer unter welchen Voraussetzungen hierbleiben darf und wer nicht. Das ist fraglos notwendig.
Dann gibt es aber Fälle wie den vom KURIER aufgegriffenen einer 17-Jährigen, die in dritter Generation in Wien lebt, zur Schule geht, umfassend integriert ist - und über der das Damoklesschwert der Abschiebung nach Serbien schwebt, weil die Eltern vergessen haben, rechtzeitig Aufenthaltsanträge zu stellen. Sie muss sich jeden Tag im Kommissariat melden, jeden Tag zittern.
Oder die von der Stadt Wien ausgebildete, längst integrierte Krankenschwester aus Afrika, um die sich die Spitalsmanager reißen würden - aber sie bekommt keine Arbeitsbewilligung.
Integration vor Zuzug, heißt es immer. Wie wär’s, in Fällen bereits erfolgter Integration, in denen ein Formalakt fehlt, Menschlichkeit vor Gesetz gehen zu lassen?

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