World Vision Österreich - Offener Brief an Dr. Ursula Plassnik

Wien (OTS) - World Vision Österreich

An
Dr. Ursula Plassnik
Bundesministerin
für europäische und internationale Angelegenheiten
- Offener Brief -

Wien, 14. März 2007

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Dr. Plassnik!

In großer Sorge um hunderttausende Kinder, die von der aktuellen Flüchtlingswelle aus dem Irak betroffen sind, wenden wir uns mit diesem offenen Brief an Sie.

World Vision Mitarbeiter und unsere Partnerorganisationen vor Ort berichten, dass alleine in Jordanien 750.000 Menschen versuchen, sich vor der Gewalt in ihrem Heimatland in Sicherheit zubringen. Zumeist kommen sie bei Bekannten unter, sodass dann 2-3 Familien in ein oder zwei Räumen leben. In Syrien ist die Situation ähnlich kritisch: Mehr als 500.000 Menschen überfordern die Aufnahmekapazität auch dieses Nachbarstaates bei weitem!

Zwei Millionen Menschen sind bereits vor dem Terror geflohen, jeden Monat kommen 50.000 dazu. Im Irak selbst sind 1,8 Millionen Menschen intern Vertriebene. Der UNHCR schätzt das es bis Ende des Jahres 2,7 Millionen sein könnten.

Leben und Zukunft der Flüchtlingskinder stehen auf dem Spiel!
Sie sind traumatisiert von den Gewalterfahrungen, die sie miterleben mussten. Sie haben Geschwister und Elternteile durch Mord oder Entführung verloren oder sind selbst Opfer von gewaltsamen Übergriffen geworden. Aufgrund der existenziellen Not und der prekären Unterbringungsverhältnisse sind Grundbedürfnisse wie Nahrung, Zugang zu Trinkwasser und sanitären Anlagen sowie die Gesundheitsversorgung nicht gesichert. Ein Schulbesuch ist für die Geflüchteten nicht möglich.

Da die Flüchtlinge - zum Beispiel in Jordanien- nur für eine Woche ein Visum erhalten, werden sie systematisch in die Illegalität gedrängt. Die Kinder leben in einem ständigen Klima der Angst und Unsicherheit, dass eines ihrer Familienmitglieder von der Polizei aufgegriffen und ausgewiesen werden könnte.

Vor allem Minderheiten geraten im Irak zwischen die Fronten des Bürgerkriegs. Christen unterschiedlicher Konfessionen und Nationalitäten wie die Chalädonier und Assyrer, Mandäer, Palästinenser, Yeziden oder Armenier sind unter den Flüchtlingen überproportional stark vertreten.

Sehr geehrte Frau Minister, als christliche Kinderhilfsorganisation appellieren wir an Sie:

- sich innerhalb der Bundesregierung für die Bereitstellung von finanziellen Mitteln einzusetzen. Als Unterzeichner der Kinderrechtskonvention muss sich Österreich an humanitären Maßnahmen zur Versorgung der Flüchtlingskinder und ihrer Familien beteiligen und die Linderung ihres Elends ermöglichen.

- sich in internationalen Gremien für die Zuerkennung des Flüchtlingsstatus gemäß der Genfer Konvention für Kriegsflüchtlinge aus dem Irak einzusetzen.

- alle diplomatischen Wege auszuloten, um den Waffenschmuggel und die finanzielle Unterstützung der Bürgerkriegsparteien aus den Nachbarstaaten in den Irak zu unterbinden. Schutz und Sicherheit der Minderheiten im Irak und seinen Nachbarländern erfordern ein Ende der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den muslimischen Gruppen.

- sich innerhalb der EU für die Aufnahme von Gesprächen zu einer gemeinsamen Irakpolitik einzusetzen, die ein angemessenes Engagement bei der Geberkonferenz des UN Flüchtlingshochkommissars im April vorsieht und mittelfristig auf den Abzug der US-Truppen und den Einsatz einer UN-Friedensmission abstellt.

Bitte informieren Sie uns über die von Ihnen geplanten oder bereits ergriffenen Maßnahmen!

Mit herzlichen Grüssen

Mag.a. Lisa Sterzinger, World Vision Österreich
Anwaltschaftsarbeit

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