"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Finanzlöcher" (Von Alois Vahrner)

Ausgabe vom 14. März 2007

Innsbruck (OTS) - Schön für Tirol, dass die Fertigstellung der Unterinntaltrasse nicht noch weiter - von Ende 2012 auf Ende 2013 -hinausgezögert wird. Die Chefs der Brenner Eisenbahn GmbH (BEG) hatten ja die Baufirmen brieflich zu einer neunmonatigen Bauverzögerung aufgefordert - waren dann aber von Verkehrsminister Faymann und auch von der ÖBB-Spitze, auf die sich die BEG ja berufen hatte, zurückgepfiffen worden. Laut ÖBB-Bau-Finanzvorstand Gilbert Trattner wird am Termin nicht mehr gerüttelt.

Brisant ist Trattners Aussage, dass die Unterinntaltrasse letztlich 2,1 bis 2,2 Mrd. Euro (immerhin etwa 30 Mrd. Schilling) kosten wird. Ursprünglich war von Baukosten in Höhe von 1,156 Mrd. Euro die Rede gewesen (kurioserweise sogar noch im Generalverkehrswegeplan aus dem Jahr 2002), im Laufe der Jahre wurden die Kostenschätzungen sukzessive auf 1,36, dann über 1,6 auf 1,8 und zuletzt 1,9 Mrd. Euro hochgeschraubt. Alles in allem geht es da um eine Kostenexplosion aufs Doppelte, in alten Schilling immerhin um 14 bis 15 Milliarden, die da auf Steuerzahler-Kosten mehr verbaut wurden. Dies kann durch die Inflation nur zum Bruchteil erklärt werden.

Für das noch weit teurere Tiroler Bahnprojekt, den Brennerbasistunnel, lassen die Unterinntal-Erfahrungen - nicht nur was den Termin der Fertigstellung, der weit jenseits von 2020 liegen dürfte - Schlimmes erwarten. Schon jetzt werden ja die Baukosten für die 54 Kilometer lange Riesenröhre auf 5 Mrd. Euro geschätzt, mit Finanzierungskosten sogar auf 8 Mrd. Euro. Geht es bei den Kosten ähnlich bergauf wie im Unterinntal, können sich die Financiers warm anziehen. Unwahrscheinlich sind solche Kostenexplosionen nicht, wie internationale Beispiele zeigen: Der Kanaltunnel zwischen Frankreich und Großbritannien war mit 6,4 Mrd. Euro budgetiert worden. Bei der Endabrechnung waren es dann 15 Mrd. Euro.

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