DER STANDARD-Kommentar: "Kärnten tickt anders" von Renate Graber

Ausgabe vom 13.3.2007

Wien (OTS) - Die Kärntner Justiz hat alle Hände voll zu tun. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt beschäftigt sich mit verrückten Ortstafeln, besser gesagt mit Landeshauptmann Jörg Haider._Sie prüft, ob ihm Amtsmissbrauch vorzuwerfen ist. Kein dankbarer Job, aber durchaus der Mühe wert.
Ebenfalls kein dankbarer Job, aber wohl ebenso der Mühe wert wäre die Causa Hypo Alpe Adria. In der Landesbank flog 2006 auf, dass 2004 hochkomplizierte Swap-Geschäfte schief gegangen waren. Verlust: rund 330 Millionen Euro. Seither ermittelt die Justiz. Gegen Ex-Treasury-Chef Christian Rauscher, gegen Ex-Bankchef Wolfgang Kulterer. Spätestens seit vorigem_Sommer ist klar, wie Kärnten tickt:
Kulterer, gegen den_der Verdacht der Bilanzfälschung im_Raum steht, wurde (unter Protest) aus seinem Amt getragen, und auf den Aufsichtsrats-Chefsessel gehievt._Ein in zivilisierten Ländern unübliches Vorgehen.
Wie sich nun herausstellt, ist seit Jänner 2005 auch amtsbekannt, dass während eines Polizeieinsatzes bei Ex-Treasurer Rauscher von Hypo-Bankern ein Koffer mit Bankunterlagen abtransportiert wurde. Die Folge?_Keine. Zuerst (die Spekulationsverluste waren ja nicht bekannt) nahm man den Vorfall nicht recht ernst - und im jetzigen_Verfahren hat es die_Justiz nicht für wert befunden, den_Ex-Banker zu fragen, welche Unterlagen er denn in dem_Koffer aufbewahrte. Erst jetzt, da sich die Akte Rauscher nur noch schlecht verbergen lässt, hat sich die Kärntner Justiz zu weiteren_Ermittlungen durchgerungen.
Egal, was dabei herauskommt, eines ist klar:_Wäre der Koffer samt Unterlagen über die Swap-Flops damals bekannt geworden, hätte das Land ein massives Budgetproblem bekommen._Die 500 Millionen Euro schwere Wandelanleihe, die die Hypo 2005 fürs Land platziert hat, wäre nicht zustande gekommen.

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