EU-Ministerrat: Funktionierender EU-Energiemarkt für die langfristige Versorgungssicherheit unerlässlich

Weitreichende Verbesserungen des Rechtsrahmens von der EU gefordert

Wien (OTS) - Neben den richtungsweisenden Beschlüssen zur Steigerung der Erneuerbaren Energie am Gesamtenergiemix in Europa hat der EU-Ministerrat in der vergangenen Woche auch Grundsatzbeschlüsse zum EU-Energiemarkt gefasst. "Eines der wesentlichsten Ergebnisse dabei ist, dass der EU-Ministerrat sich klar zu erforderlichen Reformen beim Energiemarkt bekannt hat. Nur ein funktionierender EU-Energiemarkt kann demnach langfristig die sichere Versorgung mit Energie gewährleisten. Dazu werden von der EU weitreichende Verbesserungen des derzeitigen Rechtsrahmens als unabdingbar angesehen.", sieht der Geschäftsführer der Energie-Control GmbH, DI Walter Boltz, auch die Meinung der E-Control bestätigt.

Konkrete Vorschläge gefordert

Derzeit wird von der Europäischen Kommission an konkreten Vorschlägen gearbeitet. Demnach soll es unter anderem künftig zu einer Stärkung der Unabhängigkeit und einer Vereinheitlichung der Kompetenzen der nationalen Regulierungsbehörden kommen, zudem soll eine EU weite Regulierungsinstanz geschaffen werden. Diese Einrichtung soll auf der bestehenden Zusammenarbeit der nationalen Regulatoren aufbauen und anders als bisher selbst bindende Entscheidungen treffen können.

Effektiveres Unbundling notwendig

Wesentliche Verbesserungen soll es auch beim Unbundling geben, wobei derzeit noch nicht eindeutig feststeht, welches Modell künftig zur Anwendung kommen wird. Das unter anderem diskutierte "ISO-Modell" sieht einen unabhängigen Netzbetreiber vor, der die Betriebsführung des Übertragungsnetzes übernehmen würde. Das Eigentum an den Netzen würde weiterhin bei den Netzgesellschaften bleiben, der Betrieb würde aber von dem ISO übernommen. Unklar ist noch die geographische Ausdehnung eines derartigen Systembetreibers. Die Ideen reichen von einem Ersatz jedes einzelnen Übertragungsnetzbetreibers durch einen ISO über die Schaffung von mehreren regionalen bis hin zu einem einzigen EU weiten Systembetreiber. "Österreich hat mit einem ähnlichen Modell, dem Gas-Regelzonenführer AGGM, ja bereits sehr positive Erfahrungen gemacht", so Walter Boltz.

Im Sinne einer verbesserten Versorgungssicherheit muss auch die effektive Zusammenarbeit der Übertragungsnetzbetreiber besser gewährleistet werden, damit Netzprobleme, wie sie im November 2006 aufgetreten sind, künftig vermieden werden können. Nicht zuletzt muss künftig die Gleichbehandlung aller Kraftwerksprojekte durch die Netzbetreiber gesichert sein. "Deswegen ist ein funktionierendes und effektives Unbundling eine der wesentlichsten Voraussetzungen zur langfristigen Sicherung der Versorgung mit Energie in Europa", ist Walter Boltz überzeugt.

Österreich in der Pflicht

Auch in Österreich werden die derzeit auf EU-Ebene diskutierten Entwicklungen im Jahr 2007 auf der Tagesordnung stehen. Alle EU-Mitgliedstaaten müssen vermehrt Anstrengungen zur Verbesserungen des EU-Energiebinnenmarktes unternehmen. "Vor allem im Hinblick auf effektiveres Unbundling der Netze ist auch bei uns noch großes Verbesserungspotenzial gegeben.", ist Walter Boltz überzeugt.

Noch Potenzial beim Sparen

Im Hinblick auf die in der letzten Woche in Österreich diskutierte mögliche Zusammenlegung der Stromnetze könnte es nach einer groben Einschätzung der E-Control bei einer optimalen Umsetzung durchaus noch ein Einsparungspotenzial von rund 10 bis 15 Prozent der Netzkosten geben. "Um hier konkrete Angaben machen zu können, bedarf es allerdings einer eingehenderen Analyse. Fest steht, dass die Netzkosten seit 2001 um rund 450 Millionen Euro, also rund 20 Prozent, gesenkt worden sind.", so Walter Boltz.

Wie geht es weiter?

Derzeit arbeitet die EU-Kommission an der Erarbeitung von konkreten Vorschlägen und Analysen der Vor- und Nachteile von möglichen Varianten des auf EU-Ebene diskutierten Unbundling. Für Österreich stellt die E-Control die entsprechenden Analysen an. "Nach dem für Juni geplanten EU-Energieministerrat könnte es dann bereits konkrete Maßnahmenvorschläge der EU dazu geben.", so Walter Boltz abschließend.

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